Baukasten für Artikel zum Thema Urheberrecht (Geeignet für Pro und Contra)

(1) Wir müssen handeln. Die Content-Mafia will unsere Kultur zerstören. Sie lässt YouTube-Videos sperren und nervt ganz normale Leute, die sich Songs anhören wollten, die sie anschließend vielleicht auch bei iTunes gekauft hätten. Für Facebook-Postings und Blogeinträge werden Abmahnungen verschickt an Menschen, die doch nur Dinge mit Freunden teilen wollten und sich gar nicht bewusst waren, dass ihre tägliche Mediennutzungspraxis zwangsweise Urheberrechtsverletzungen mit sich bringt. Ganze Plattformen wie das großartige Pinterest werden durch das Urheberrecht unbenutzbar. Und die Künstler stecken in Knebelverträgen.

(1) Wir müssen handeln. Die Raubkopierer wollen unsere Kultur zerstören. Jetzt haben sie sogar eine Partei, die „private Tauschbörsennutzung“ „entkriminalisieren“, damit quasi sämtliche Inhalte zum freien Download freigeben will und auf mehr als 10% Wählerstimmen kommt. Außerdem diese ganzen Blogger, die die Abschaffung des Urheberrechts fordern und dafür Tonnen von Klicks und Zustimmung von ihren Followern bekommen, die dasselbe wollen. Mit Scheinargumenten wie „Abmahnungen“ und „Kampf gegen Verwerterindustrie“ fordern die eine Legalisierung ihres Diebstahls im Netz, den sie nicht für Diebstahl halten. Wir müssen auch die Künstler davor beschützen.

(2) Wir haben ja versucht, mit denen zu reden. Wir haben uns die Finger wund geschrieben. Tweets und Blogeinträge ohne Ende, jeden Tag und in Massen, am Ende sind wir damit sogar in den klassischen Medien gelandet. Und wir hatten selbstverständlich gute Vorschläge, wie man das Problem der Finanzierung lösen könnte. Die Schaffung von legalen Alternativen mit vernünftigen Preismodellen gehörte ebenso dazu wie die Einführung einer Kulturflatrate und natürlich auch Crowdfunding. Aber über diese Sachen wurde bisher ja gar nicht diskutiert, dabei beweisen schon heute eine Menge Künstler, dass man mit Einnahmen aus dem Netz durchaus leben kann, wenn man es richtig anstellt. Eines jedenfalls ist Fakt: Die Kunst wird auch so nicht untergehen, die Leute werden immer cooles Zeug machen, auch ohne Geld.

(2) Wir haben ja versucht, denen zuzuhören. Die Vorschläge von diesen Leuten sind aber eher ein Witz. Künstler sollen ihre Sachen lieber als Hobby machen, finden diese Leute. Sich Abends nach der Arbeit hinsetzen und ein bisschen rumkünstlern. Und wenn man sich ein bisschen Geld dazu verdienen will, dann muss man eben in diesem Social Web den Selbstvermarkter- oder Alleinunterhalter-Affen machen für ein paar Flattr-Klicks oder eben gleich nur das Zeug produzieren, das man über Kickstarter finanziert bekommt. Am Besten was mit Zombies und Nazis aus dem Weltall, die Facebook zerstören wollen. Das verstehen diese Typen unter Kultur, das kriegt mit Sicherheit eine Quadzillion Euro und ist in zwei Stunden viral. Eine Idee für ein komplexes Theaterstück über gesellschaftliche und zwischenmenschliche Fragen liegt dagegen mit Sicherheit eher wie Blei in den Crowdfundingregalen, verstehen Sie das Problem?

(3) Im Internet gibt es ne Menge Kultur, die auch ohne die übliche Vermarktung auskommt. Gucken wir nur mal auf Blogs: Da ist in den letzten Jahren ne Menge passiert, es gibt auch echt gute literarische Blogs. Gut, das lesen vielleicht nicht so viele Menschen, aber das Angebot existiert. Außerdem Vimeo. Dort machen Bewegtbildkünstler fantastische Video-Inhalte. Kostenlos. Weil es ihnen Spaß macht. Von CC-Musik und Soundcloud haben wir noch gar nicht geredet. Überhaupt stellen doch heute alle Nachwuchsmusiker ihr Zeug erstmal kostenlos ins Netz, da draußen existiert grade im elektronischen Bereich eine Masse von freier Musik. Dazu kommen Podcasts in Audio- und Video-Form, richtig unterhaltsame Twitterer, Tumblr-Accounts und der ganze Kram, der sonst noch so rumschwirrt. Wenn wir wollten, dann könnten wir locker ohne den ganzen Quatsch leben, den die Industrie veröffentlicht. Einfach nur mit den vielen Inhalten aus dem Netz.

(3) Wie viele gute Hobbykinofilme kennen Sie denn, die über YouTube vertrieben wurden, in den vielen Jahren, in denen es die Plattform gibt? Wir würden Geld darauf setzen, dass diejenigen, die nach Abschaffung des Urheberrechts schreien, zum Großteil Multimillionen Dollar teuere Sci Fi- und Fantasy-Filme wie „Herr der Ringe“ als Lieblingsfilm angeben würde. Und Bücher? Es ist schon komisch, dass alle Netzgestalten von Blogger bis Piraten ihre Werke nicht selbst als eBook vertreiben, sondern bei großen Verlagen veröffentlichen. Genau dasselbe bei Musik: In dem seltenen Fall, dass mal einer von einer Million Hobbymusiker wirklich viele Klicks kriegt und ein paar Fans hat, ist der Schnurstracks bei einem Label. Wie kommt das? Weil diese Leute sich alle gerne von der „Content-Industrie“ ausbeuten lassen, die sie eigentlich hassen? Oder weil es doch Vorteile hat, wenn man professionell vermarktet wird?

(4) Jedenfalls müssen endlich Lösungen her. Es geht nicht so weiter, dass die tägliche Praxis des Runterladens von Millionen von Netznutzern zu einer kriminellen Handlung erklärt wird, nur wegen eines virtuellen „geistigen Eigentums“, das vor allem die Taschen der Verwerter und nicht die der Künstler füllt. Wenn irgendeine Handlung Alltag wird, dann müssen die Gesetze entsprechend der gesellschaftlichen Praxis geändert werden. Die Uhr lässt sich nicht zurückdrehen, das Netz wird nicht mehr verschwinden. Legale Lösungen und Alternativmodelle müssen her. Es kann nicht mehr sein, dass jeder, der das Netz auf ganz normale Weise benutzt, plötzlich kriminalisiert wird.

(4) Jedenfalls müssen endlich Lösungen her. Es geht nicht so weiter, dass unsere sowieso schon immer kleiner werdenden Einnahmen weiter verschwinden. Im Netz ist mit Inhalten so gut wie kein Geld zu verdienen, solange es so viele illegale Angebote gibt und es unmöglich ist, diese Leute mit Vernunft dazu zu bringen, die legalen Angebote zu nutzen, die tonnenweise existieren. Wenn das nicht klappt, dann muss man die halt verfolgen. Andere Lösungsansätze, die halbwegs vernünftig wären, gab es bisher noch nicht. Jedenfalls kann es nicht sein, dass eine kriminelle Handlung plötzlich legal wird, nur weil es technisch so einfach wie noch nie ist und dadurch Kultur in professionellem Rahmen kaum mehr finanzierbar ist.

(5) Das schadet der Kultur insgesamt. Wenn die Content-Mafia alles verfolgt und überall ihre Rechte durchsetzen will, dann wird ein Großteil des Internets mindestens zur rechtlichen Grauzone. Sharing von Sachen wird unmöglich und die Leute haben keine Möglichkeit mehr, Bands, Musik und Filme zu entdecken, auf die sie ohne Filesharing nie gestossen wären. Das sorgt dafür, dass nur noch der Einheitsdreck, den die Verwerter vermarkten, von der Masse der Leute wahrgenommen wird und kleinere Bands keine Chance haben, irgendwann groß zu werden. Auch die ganze Remix-Kultur ist bedroht.

(5) Das schadet der Kultur insgesamt. Wenn wir mit den Hits und Blockbustern wegen der Raubkopien nicht mehr genug verdienen, um auch mal Experimente zu wagen und kleinere Sachen querzufinanzieren, dann können wir irgendwann nur noch Mainstream produzieren und das Kulturangebot wird deutlich enger. Nischenprodukte werden dann irgendwann nicht mehr finanzierbar sein. Keine Indie-Filme mehr, keine experimentellen Kunstrockbands, keine avantgardistische Literatur. Das ist alles bedroht.

4 Gedanken zu „Baukasten für Artikel zum Thema Urheberrecht (Geeignet für Pro und Contra)“

  1. Ich bin mir ehrlich gesagt nicht sicher, ob man das als „Humor“ verbuchen kann (wie in der Linksammlung). Eigentlich ist es eher traurig, dass beide Seiten aus „ihrer Perspektive“ vollkommen Recht haben, aber niemand die der anderen Seite wenigstens ansatzweise wahrnimmt. Tragikomisch.

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