Fünf Twitterer, ein Stichwort: DM.

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Anmerkung: Der Artikel stammt aus einer Interviewreihe für mein früheres Blog “Twitterhuder Abendblatt”

mindwarp5@mindwarp5

„Zwischenmenschliche Kommunikation in sozialen Netzwerken ist ein Schlachtfeld für sich, doch dafür auf Twitter hauptsächlich die DM-Funktion zu nutzen ist genauso aberwitzig, wie lediglich den Zuckerguss vom Kuchen zu essen, im Glauben das wahre Geschmackserlebnis zu erfahren. Denn wer noch nicht begriffen hat, dass man von zu viel klebriger Süße Bauchschmerzen bekommt, der schiebt in seinem menschlichen Reifeprozess immer noch das Laufrad, das ihm Oma einst zum Zweijährigen schenkte. Der DM-Verkehr genügt vollkommen, um sich ein wenig Honig ums Mäulchen zu schmieren. Wer mag, kann sich sogar eine schmucke bronzene Badewanne voll davon einlassen und vergnügt mit seiner auserwählten Gummiente in dem zähen Saccharid planschen. Alles virtuell, natürlich! Der gemeine Twitterer verspürt bekanntlich eine angeborene Angst zur RL-Nähe, was in vielen Fällen allzu verständlich wie berechtigt erscheint.

Ich mag nette, ehrliche DMs. Wirklich! Doch sie sind natürlich ungeeignet dafür, Menschen tatsächlich zu begreifen.“

DerFloyd@DerFloyd

„DM steht für Direct Message. Eine direkte Nachricht also. Twitter erlaubt das Versenden nur an seine Follower (ohne Antwortmöglichkeit) oder wenn man sich gegenseitig folgt. Insofern setzt die Möglichkeit sich im DM-Fach unterhalten zu können, schon eine gewisse beidseitige Sympathie voraus. Ich weiß leider nicht mehr, wer mir meine erste DM schrieb. Ich erinnere mich aber, dass ich äußerst überrascht war, plötzlich unter „Direktnachrichten“ eine Aktualisierung zu sehen. Es war vermutlich eine Mischung aus technischem Unverständnis der ersten Twittertage und die Verwunderung darüber, dass mir tatsächlich ein wildfremder Mensch etwas mehr oder weniger Privates mitzuteilen hatte. Zumindest etwas, das über die übliche Reply-Funktion per Mention hinausging, also nicht für alle geschrieben worden war. Nur für mich.

Direktnachrichten sind demnach etwas Privates. Etwas, das nicht von allen aus der Timeline gelesen werden soll. Und das ist in den meisten Fällen vermutlich auch gut so. Mittlerweile nutze ich DMs jeden Tag. Ich trete damit in Kontakt mit Menschen, kommuniziere, tausche mich aus und lerne, frage, reagiere, plane, lache, hache und rede. So ist es doch die DM-Funktion, die es ermöglicht einen Twitterer manchmal viel privater (eben direkter) kennen zu lernen als durch die Timeline. Ich finde es gut, dass es DMs gibt. Wäre das nicht so, dann müsste man auf Twitter wohl noch mehr Gechatte ertragen und ich hätte wohl niemals die Möglichkeit gehabt einige wundervolle Menschen näher kennen zu lernen oder eben einfach nur hier und da kleinere Kommentare zu verschicken, mit denen ich die Öffentlichkeit nicht behelligen wollte.

Ich schließe mit drei wichtigen ungeschriebenen Twitter-Regeln:

1. Was im DM-Land passiert, bleibt im DM-Land.

2. Nutze die DM-Funktion zum Chatten. Deine Follower werden es dir danken.

3. DM-Sex ist ein witziger Mythos! Twitterer verstehen nichts von Sex. (Oder vielleicht doch?)“

GebbiGibson@GebbiGibson

„Die DM ist das diplomatische Hinterzimmer oder Séparée des großen Maskenballs der Timeline. In DMs legt man seine Twitter-Fassade ab, schmiedet Ränke, schließt Allianzen oder flirtet. Meist tauscht man aber einfach Telefonnummern oder Emailadressen aus, denn leider ist die DM stark limitiert. Auch hier stehen nur 140 Zeichen zur Verfügung und man kann nicht einmal Bilder senden. Was ist schon ein Flirt ohne Penisbilder? Gerüchteweise soll es sogar ein Limit für DMs pro Tag geben. Dass es Leute gibt, die dieses erreichen, zeigt, dass die Timeline nur der sichtbare Teil des Eisbergs Twitter ist.

Ein Tipp für Neulinge: Sämtliche Witze mit Depeche-Mode, der D-Mark oder DM-Drogerie wurden bereits gemacht! Es sind aber noch ein paar ‘Huch, dieser Tweet sollte eine DM werden’-Kombinationen übrig.“

shatt0r@shatt0r

„So eine DM hat vielfältige Funktionen: Flüstern, Austausch von Insider-Gags oder Urlaubsvideos – angeblich gibt es sogar DM-Sex. Das Positive an diesem Weg, seine Körperflüssigkeits-Schlachten zu schlagen, ist dass Twitter nach ca. 99 Nachrichten automatisch und unentgeltlich eine Putzfrau vorbeischickt. Das Negative ist, dass man auf 140 Zeichen, sowie 250 Nachrichten am Tag beschränkt ist. Gerade bei häufig wechselnden Partnern ist dies entschieden zu wenig. Auch für Zärtlichkeiten räumt Twitter hier keinen Platz ein – kein Flauschen und Knabbern, keine Einhörner, keine niedlichen Zombieschafe.

Nachdem mittlerweile rund 57,68% der Twitter-Nutzer ihre Unschuld auf diesem Weg verlieren, es also gar nicht anders kennen, sollte der ominöse Kurznachrichtendienst hier schleunigst einlenken, um einen drohenden Verlust von Soft Skills in der jungen Bevölkerung zu vermeiden.

Zusammenfassend möchte ich sagen, dass ich nie DM-Sex hatte, mich als höchste moralische Instanz Twitters aber dazu berufen fühlte, das Thema aufzugreifen.“

FrauSieben@FrauSieben

„Also ich DMe viel, auch wenn ich das angebliche Limit noch nie erreicht habe. Mehrmals am Tag auf jeden Fall. Mit verschiedenen Leuten. Und zu unterschiedlichsten Themen. Ich wurde per DM schon getröstet, ausgelacht, über eine nachfolgende Entfolgung informiert, eingeladen, beglückwünscht, beschimpft, bezirzt, vollgeheult, aufgeklärt, zurückgewiesen, angemault, angelächelt, in Sachen reingezogen, auf Distanz gehalten oder ganz nah herangeholt, gefragt, wie es mir geht und es gab Küsschen und Danksagungen, Gute Nacht-Wünsche (oder Guten Morgen) und sehr sehr oft Mit-und-ohne-Nase-Smilies und Herzchen.

Man würde ja nicht glauben, was alles in 140 Zeichen passt, wenn man nicht ohnehin auf Twitter wäre. Es gibt Menschen, von denen habe ich Handy- und/oder Festnetznummern, Emailadressen und weiß, wo sie wohnen, aber wir DMen trotzdem ständig. Und natürlich wurde ich schon per DM angeflirtet, missverstanden oder (mehr oder weniger freundlich) auf Dinge hingewiesen. Ich weiß, dass mir ohne das etwas fehlen würde und es ist definitiv ein Grund, mich nicht mehr zu löschen – egal wie oft ich schon daran dachte.

Manchmal ist es wie ein freundliches Winken von der gegenüberliegenden Straßenseite. Ein kleines Lebenszeichen. Oder es sind genau die Worte, die ich brauche, um wieder klar zu sehen. Auf jeden Fall ist es (m)ein direkter Draht zu den Menschen hinter den Tweets und darüber hinaus. DMs sind eine Momentaufnahme zwischen zwei Menschen – und wenn es gelingt, ein Gefühl zu transportieren, kann es der Beginn einer Begegnung sein, eine Beziehung vertiefen, eine Freundschaft bestätigen oder einfach nur zeigen, dass noch eine Verbindung besteht, auch wenn man sich vielleicht nicht mehr so viel zu sagen hat.

Also: Schreib mir doch mal ‘ne DM!“

Ach komm, erzähl mir nix (oder doch)

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