Beck Hansen veröffentlicht Album „Song Reader“ ausschließlich in Notenform

Manchmal stolpert man im Netz über Ideen, die man schlichtweg als „genial“ bezeichnen muss: Der Musiker Beck Hansen (einer breiteren Masse bekannt durch seinen 90er-Jahre Überhit „Loser“) veröffentlicht sein im Dezember erscheindenes Album „Beck Hansen’s Song Reader“ ausschließlich in einer „fast vergessenen“ Form der Musikveröffentlichung: Notenblätter. Das 20 einzelne Songbooklets umfassende Paket kommt in einer hochwertigen Gestaltung mit 108 Seiten, auf denen zusätzlich zum Notenmaterial Artworks von verschiedenen Künstlern zu den einzelnen Liedern und Lyrics für 18 der Stücke enthalten sind.

Aus der Mitteilung auf der Promo-Seite:

“In the wake of Modern Guilt and The Information, Beck’s latest album comes in an almost-forgotten form—twenty songs existing only as individual pieces of sheet music, never before released or recorded.”

Was das ganze Experiment im Zeitalter von Social Media und User Generated Content bedeutet, dürfte relativ klar sein: Wir werden eine Menge Coverversionen von Songs hören, zu denen es kein Original gibt. Jeder, der des Lesens des Materials mächtig ist (oder eben eine vorherige Version gehört hat), kann sich seine Gitarre oder seine Band schnappen und selbst ein Teil der Geschichte dieses Albums werden. Es gibt kein „richtig“ oder „falsch“ beim Interpretieren der Stücke, die nach Angaben des Künstlers noch nie aufgenommen wurden. Es gibt nur Variationen. Und ich bin sicher, dass wir eine Menge dieser Variationen hören werden, denn für jeden Musiker, der selbst im Netz aktiv ist, ergibt sich damit die Gelegenheit, Songs einzuspielen, die ihr Publikum im Grunde schon eingebaut haben: Wenn das Album veröffentlicht ist, dann werden Beck-Fans auf der ganzen Welt (und das sind eine ganze Menge, wie die Abrufzahlen seiner aktuelleren Songs beweisen) neugierig darauf sein, Interpretationen dieser Stücke oder des ganzen Albums zu hören und der Verlag hinter der Veröffentlichung kündigt bereits an, dass er selbst auch dabei mithelfen wird, dass eben diese Aufnahmen zu ihrem Publikum finden, sei es mittels Social Media-Kanälen oder einer geplanten eigenen Plattform. Es ist eine Win-Win-Win-Situation: Die Menschen, die die Songs covern, promoten Beck und sein Album und bekommen gleichzeitig ein Publikum, das das Album gerne hören will, der Beobachter bekommt Gratismusik, die das Internet als natürlichen Verbreitungsraum braucht. Die Debatte um Piraterie von Musik stellt „Beck Hansen’s Song Reader“ damit außerdem mindestens teilweise auf den Kopf: Die Fans müssen die Musik selbst spielen und ins Netz hochladen, damit sie überhaupt erst in akustisch konsumierbarer Form existiert.

Mindestens genau so spannend ist die Situation von Beck bei seinen eigenen zukünftigen Konzerten: Unter der Voraussetzung, dass es eine Tour zu der Platte geben wird, werden wir ihn selbst dabei hören können, wie er die Songs interpretiert. Ist er clever, dann wird er ein bisschen abwarten, bis die ersten Coverversionen von Anderen veröffentlich sind und/oder selbst verschiedene Versionen spielen, um den Prozess der „Entstehung“ der Songs durch die Fangemeinde nicht zu stark zu beeinflussen. Denkbar wäre natürlich auch, dass er selbst wiederum besonders hochwertige Fan-Cover covert oder sogar diejenigen Musiker, deren Versionen sich besonders hervorgetan haben, mit auf die Bühne holt.

Man darf sehr gespannt darauf sein, wie das Internet im Dezember das neue Beck-Album zum Leben erweckt.

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