App Review: Die FAZ für iPhone

Konzept

Das Konzept der App der Frankfurter Allgemeinen Zeitung für das iPhone lässt sich in drei Worten relativ gut zusammenfassen: Es gibt keins. Im Gegensatz zur deutlich teuereren iPad-Version, die die komplette Printausgabe beinhaltet, ist die iPhone-App der FAZ im Kern nicht viel mehr als die Nachbildung der mobilen Webseite von faz.net mit der Option, die einzelnen Ressorts mit den jeweils neuesten Artikeln nach eigenem Geschmack zu sortieren.

Die Dürftigkeit dieser Grundlage für eine App, die für die immerhin 2,99€ pro Nutzungsmonat verkauft wird, muss den Machern auch irgendwann bewusst geworden sein und so kam man wohl auf die Idee, in der Tab Bar noch eine ganze Menge zusätzliche Knöpfe und Funktionen unterzubringen, die man als Nutzer selten bis nie braucht: Neben der Möglichkeit, Favoriten zu merken gibt es gleich zwei Buttons für die „Kommentare“, die in einem eigenen Feed dargestellt sind plus die „Empfehlungen“, die man sich wie Feuilleton-Blogs zu verschiedenen Themen vorstellen darf.

Abb.: Leider fast identisch: Die Inhalte der kostenpflichtigen App und der mobilen Webseite.

Unter „Mehr“ verbirgt sich schließlich die Navigation zu den einzelnen Ressorts. Alle diese Rubriken tauchen allerdings auch im Hauptstream auf, weshalb es ein bisschen so wirkt, als wären sie nur aus dem Grunde zusätzlich in der Tab Bar eingefügt, um diese mit irgendetwas zu füllen. Den Bereich „Multimedia“, der keinen prominenten Button bekommt, hätte man sich dagegen komplett schenken können. Kleine Videos von maximal zwei Minuten Länge und Bildergalerien. Die Macher der App wussten zumindest, warum sie diese Inhalte nicht als Hauptmenüpunkt der Tab Navigation auftauchen lassen und auch sonst eher am unteren Ende verstecken, denn sie sind den Klick nicht wirklich wert.

Usability / User Experience

Die Applikation läuft schnell, stabil und flüssig – technisch ist die FAZ-App für das iPhone eine absolut einwandfreie Geschichte, und das ist, so traurig das auch klingt, keine Selbstverständlichkeit bei den iOS-Produkten deutscher Medien. Zumindest theoretisch eine ziemlich gute Idee ist außerdem der Lesemodus – beim Scrollen durch längere Artikel verschwinden Tab- und Nav-Bar vollständig, so dass der Text des jeweiligen Artikels den ganzen Screen einnehmen darf. Umso nerviger ist es dann allerdings auch, wenn plötzlich die schwarzen Balken kurz vor Ende des Artikels wieder reinfahren und man von dem Effekt jedes Mal mehr oder weniger unsanft aus dem Lesefluss gerissen wird. Hier hätte man dringend darauf achten müssen, die Elemente erst dann wieder zu zeigen, wenn der Bildschirm tatsächlich am Ende des Artikels angekommen ist und/oder den Übergang etwas sanfter gestalten können. Eine andere Möglichkeit, wie sie beispielsweise der ebenfalls auf den Konsum von Artikeln ausgelegte Reeder nutzt, wäre es, in der Artikelansicht nur sehr dezente iOS-Navigationselemente einzublenden, die in der Farbe des Hintergrundes gehalten sind. Extra-Nervpunkte müssen dagegen für die sich immer mal wieder ausklappende und viel Platz einnehmende Werbung im Hauptstream vergeben werden. In einer Bezahl-Applikation eigentlich ein großes No Go.

Design

Das Design gehört zumindest in Teilen zu den großen Stärken der FAZ-App für das iPhone. App-Icon und Menüs sind in schlichtem schwarzen Lederlook gehalten (auch wenn der Ledereffekt etwas subtiler sein könnte), was in Kombination mit den weiteren Farben Silber und Bronze die Applikation recht stilvoll, altmodisch-zeitlos und seriös wirken lässt, ergo perfekt zum Medium passt. Aufbau der Artikel und Typographie sind sehr gelungen. Nicht so herausragend ist dagegen das Icon-Design innerhalb der App: Die Tab Bar-Menüpunkte, die Ressorts und das Such- und Einstellungsfeld in der Headerzeile sind, auch wenn die Bildsprache zu dem jeweiligen Buttons stimmig ist, mit graphisch eher mittelmäßig gelungenen Symbolen ausgestattet.

Fazit

Die berechtigte Frage, die man sich nach dem Lesen dieser Rezension stellt: Warum sollte ich mir diese App kaufen (der erste Nutzungsmonat ist kostenfrei) und nicht einfach die mobile Webseite aufrufen? Ich selbst bin Käufer der App und beantworte mir die Frage so: Ich bin nicht der größte Fan von mobilen Webseiten, im direkten Vergleich ziehe ich meistens eine Applikation vor, solange sie technisch und in Sachen Design gut gemacht ist – eine persönliche Präferenz. Dazu kommt, dass ich die FAZ.net-Artikel sehr gerne mobil lese und das iPad schlichtweg kein Gerät ist, das man auf einer täglichen U-Bahnfahrt mitschleppt. Allerdings: Ich bin zunehmend genervt vom Inhaltsangebot dieser App, genauer gesagt immer dann, wenn ich mir in Erinnerung rufe, dass ich nicht viel anderes zu Gesicht bekomme als das, was ich auf der mobilen Webseite auch kostenlos abrufen könnte. In einer Applikation, deren Nutzung ich regelmäßig bezahle, erwarte ich wenigstens ab und zu längere Inhalte aus der Printausgabe oder anderen exklusiven Content. Und das sind nicht schlechte Zweiminutenvideos zu irgendwelchen aktuellen Themen. Sollte sich die Hoffnung auf mehr Inhalt nicht irgendwann realisieren, dann werde ich wohl spätestens dann, wenn ich ein mobiles Tablet (und damit meine ich sieben Zoll) habe, mit dem ich FAZ.net in gewohntem Layout abrufen oder hin und wieder die große App für die Printausgabe nutzen kann, mein Abo auslaufen lassen.

Ach komm, erzähl mir nix (oder doch)

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s