App Review: Wunderlist 2 (iOS, OS X)

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Konzept

Das Berliner Start-Up 6Wunderkinder hat einen Fehltritt auszubügeln: Das letzte und mit viel Medienbegleitung veröffentlichte Produkt, das Kollaborationstool Wunderkit, war ein überambitioniertes und leider unbedienbares Desaster, das viel zu kompliziert für den Nutzer war. Das Team hat das nach einiger Zeit selbst eingesehen, den Mut bewiesen, Wunderkit konsequent über Bord zu werfen und stattdessen das alte Erfolgsprodukt Wunderlist als native App für alle Plattformen (iOS, OS X, Android, Windows und Web) neu gestaltet: Wunderlist 2 heißt das neue Baby (das trotz der natürlich besser klingenden Geschichte um ein komplett neues Produkt als ein Update für das bisherige Wunderlist daherkommt).

Wunderlist 2 tritt mit dem Anspruch an, die ultimative To Do-App für jede Gelegenheit und jede Nutzungsart zu sein. Neben den bekannten Tasks inklusive Kollaborationsmöglichkeiten für mehrere Nutzer und der nahtlosen Synchronisation auf allen Plattformen sind in dieser Version unter anderem Smartlisten, die Möglichkeit, wiederkehrende Taks anzulegen, Subtasks, Notizen zu allen Items und die neuen Notifications, die über verschiedene Wege an anstehende To Dos erinnern (darunter auch Push und In-App), neu hinzugekommen. Wunderlist hat damit inzwischen alles, was eine gute Software für diesen Anwendungsbereich braucht, bleibt dabei aber jederzeit überschaubar und knüpft nahtlos an den Vorgänger an. Die neuen Features sind allesamt sehr hilfreich und brauchbar, nichts wirkt hier unsinnig oder überflüssig. Man merkt der App auf eine sehr positive Art an, dass der Fokus bei der Entwicklung klar auf den Kernfunktionalitäten lag und von Experimenten Abstand genommen wurde.

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Abb.1: Läuft auf allem, das einen Bildschirm hat: Wunderlist 2.

Usability / User Experience

Schon kurz nach dem ersten Login ist ganz klar: Wunderlist bleibt auch in der neuen Version in Sachen Bedienkonzept hervorragend. Das Programm akzeptiert prompt den alten Account, synct die bestehenden Tasks auf alle Geräte und ist sofort einsatzbereit. Auf iOS arbeitet Wunderlist neuerdings mit einer Slide-Out-Navigation (vergleiche etwa die Apps von Facebook, Path, Quote.fm), hinter der sich die verschiedenen Task-Listen verbergen, im Hauptfenster sind die eigentlichen Tasks zu finden, die mit einem simplen Klick auf die Checkbox als „erledigt“ markiert oder mit einem Klick auf den Eintrag ihre Detailansicht ausfahren und bearbeitet werden können (in der Detailansicht können Subtasks, Wiederholungsfunktionen, Reminders und Notizen eingestellt werden). Am Mac sind dagegen Listen und Tasks meistens sichtbar (die App ist responsive), die Details werden hier auf ähnliche Weise ausgeklappt. Die wenigen Optionen für die Bedienung sind an jeder Stelle leicht durchschaubar, auch die neuen „Smart Lists“ (die eigentlich gar nicht wirklich smart sind, sondern schlicht sehr nützliche Filter, etwa für an dem jeweiligen Tag anstehende oder vom Nutzer hervorgehobene Aufgaben) erschließen sich direkt, Sync- und Notification-Funktionen funktionieren reibungslos und wie aus diversen anderen Apps bekannt. Kurzum: Die Bedienung von Wunderlist nicht auf Anhieb zu verstehen, ist eigentlich fast unmöglich und das ist weiterhin der größte Pluspunkt der App, deren Verwendung aufgrund der Simplizität einfach Spaß macht.

Design

Die schlechte Nachricht ist: Die schon bisher eher grausigen Hintergründe wurden in der neuen Version noch mal deutlich verschlimmbessert (so konnte man zuvor wenigstens noch eine stilvoll-schwarze Texturfläche wählen, wenn man auf diesen Effektkram keine Lust hatte, jetzt stehen neben dem klassischen Holz-Theme nur noch knallbunte und pastellfarbige Verläufe, sowie zwei schreckliche Postkartenphotos – unter anderem der für Hintergründe offenbar obligatorische Regen auf einer Fensterscheibe – zur Auswahl, weswegen man dann doch bei Holz bleibt). Wunderlist 2 sieht von diesem unverständlichen Fauxpas (warum darf der User nicht einfach selbst ein Bild hochladen bzw. warum gibt es keine neutralen Hintergründe?) abgesehen dennoch wirklich gut aus. Das eigentliche Interface ist hübsch anzusehen, die Animationen laufen flüssig und schnell und die wenigen Icons, mit denen die App auskommt, sind allesamt hervorragend. Unbedingt zu erwähnen ist an der Stelle außerdem natürlich auch das App-Icon selbst, das weiterhin ein echtes und sehr markantes Highlight bleibt. Ebenso stilvoll und konsistent sind Typographie und Farben in der ganzen App umgesetzt. Super wäre gewesen, wenn man außerdem in der Desktop-Version noch die Schriftgröße einstellen hätte können, das ist aber kein Must-Have, die Fonts sind auch so gut lesbar.

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Abb. 2: Sebastian mag den Holzhintergrund nicht, aber die anderen Hintergründe (nicht im Bild) sind noch schlimmer.

Fazit

Wunderlist 2 kann die hohen Erwartungen größtenteils erfüllen, auch wenn es nicht die komplette Neuerfindung ist, die mit der Betonung der neuen Versionsnummer und dem für die 6Wunderkinder typischen Rummel um das Produkt (inklusive eigener Landingpage mit Apple-artigen Tutorial-Videos und ähnlichem Getöse) suggeriert wird. Das Team schafft es mit Wunderlist 2, den Schnitzer Wunderkit komplett in Vergessenheit geraten zu lassen und präsentiert ein mit vielen Funktionen überarbeitetes Alltagswerkzeug, das sehr solide designt, rundum durchdacht und trotz vieler neuer Funktionen extrem simpel zu bedienen ist. Auch wenn es inzwischen einige To Do-Apps gibt, deren Bedienkonzepte deutlich moderner wirken (beispielsweise Clear) oder die mit originellen und schrägen Features Punkte sammeln können (beispielsweise EpicWin), bleibt Wunderlist das rundum gelungenste und zuverlässigste Produkt aus dem Genre, das auf dem Markt ist und wirkt nach seiner Überarbeitung außerdem eine ganze Ecke frischer. Damit ist Wunderlist 2 trotz einiger zu vernachlässigender Schwachpunkte (diese Hintergründe!) eine App, die eigentlich auf jedes Smartphone und jeden Rechner gehört, was man wirklich von nicht vielen Apps sagen kann. Klare Empfehlung.

8 Gedanken zu „App Review: Wunderlist 2 (iOS, OS X)“

    1. Ich glaube, ich kenne ungefähr eine Million ToDo-Apps, ich hab mal ne Zeit lang alle durchprobiert. Any.Do ist wirklich hübsch aufgeräumt und ganz nett gemacht, hat mich aber insgesamt trotzdem nicht überzeugt.

    1. Siehe dort. Vermutlich gerade Serverprobleme, weil eine Zillion Leute die neue Version testen wollen. Bei mir läuft sie glücklicherweise stabil.

  1. Ich habe Wunderlist 1 eine ganze Zeit lang benutzt. Bin dann aber zurueck zu PlainText-Files mit nvALT(mac) und nvNotes(iPhone). Mittlerweile nutze ich TaskPaper welches ebenfalls PlainText-Files benutzt und mit Textexpander-Erweiterungen sich ebenfalls sehr gut eignet um Notizen und listen/Tasks zu fuehren.

    Wunderlist 2 werde ich mir trotzdem anschauen. Vielleicht gibt es ja doch noch einen UseCase.

    Danke fuer das ausfuehrliche Review

    mfgcb

  2. Würde die Synchronisation mal länger als ein oder zwei Tage funktionieren, wär das tatsächlich eine coole App. So aber: einfach nut nervig und unbrauchbar.

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