10 Dinge, die ich 2012 gelernt habe.

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1. „80% of success is just showing up“ (Woody Allen) – Wenn Du sehr konsequent immer pünktlich an Ort und Stelle bist und Dich bemühst, Deine Aufgabe gut zu machen, dann bist Du deutlich besser als der Durchschnitt. Wenn Du Dich stattdessen bemühst, den Job sehr gut zu machen und auch noch bereit bist, neue Dinge zu lernen, Dich zu entwickeln, dann hast Du wenig zu befürchten. Es ist etwas deprimierend, was das über die Mitmenschen aussagt, aber es ist wahr. Das gilt auch für kleine Dinge. Die großen Probleme entstehen meist nur durch Aufschub und Zögern (eben nicht an dem Ort zu sein, an dem es brennt).

2. Etwas sehr zu wollen hat wenig bis keinen Einfluss darauf, es auch zu bekommen. Menschen sind nicht zu Telekinese fähig und Gott oder das Schicksal interessiert es einen Dreck, ob Du Dir etwas schon lange wünschst. Alleine Taten zählen, nicht Vorstellungen. Wille sollte alleine eine Motivation für Handlungen sein, keine Begründung für Selbstmitleid oder Grundlage dafür, sich ungerecht behandelt zu fühlen. „Ich will das aber so sehr und schon so lange“ hat für niemanden eine Bedeutung außer für Dich.

3. Egal, wo Du bist oder was Dir gerade passiert: Das ist das Leben („This is water“). Leben ist nicht Freizeit, Rumficken oder Party, es gibt keine Trennung von Arbeit und Rest, also hör auf, es im Kopf zu trennen. Versuche, jede Tätigkeit als Spiel zu betrachten, in dem Du Dich trainierst und Spaß an ihr zu haben. Vergangenheit und Zukunft sind abstrakte Konzepte, anhand derer das Gehirn Eindrücke, Wünsche, Ängste und Ähnliches verarbeitet, das echte Leben findet immer in der Gegenwart statt. Wenn man das zu sehr vergisst, entsteht eine verbissene Grundhaltung.

4. Es ist sinnlos, sich über die Dummheit oder den schlechten Geschmack einer (bestimmten) Masse aufzuregen. Sie sind ein ganz einfaches mathematisches Gesetz, das sich Durchschnitt nennt. Auf der gleichen Grundlage könnte man sich auch über das Wetter aufregen. Je größer eine Masse an Leuten wird, die irgendwo agiert, desto durchschnittlicher wird alles. Das ist der Grund, warum man Facebook inzwischen nicht mehr aushält, obwohl es früher irgendwie cool war, das ist der Grund, warum das Fernsehen, die Politik und die Charts so schlecht sind und auf den Onlinepräsenzen von Zeitungen lustige Klickstrecken und sinnlose Liveticker zu finden sind. Reg Dich nicht darüber auf. Freilich darfst Du Dich trotzdem über den Geschmack Deiner Freunde oder Peer Group aufregen, aber am Besten konstruktiv.

5. Wenn Du etwas von einem Menschen willst, den Du doch nicht lange kennst und bei dem Du noch nicht weißt, wie er tickt: Ruf an oder triff Dich mit der Person. Vergiss SMS, eMails oder Facebook, einfach jede schriftliche Kommunikation. Die Leute sind erstens derart mit der Kommunikationsflut aus Text übersättigt, dass sie die ganzen Nachrichten nicht mehr richtig ernst nehmen und zweitens ist Schrift vielleicht für Dich das bevorzugte Medium, weil Du selbst gerne schreibst, twitterst, bloggst, aber bedenke immer, dass eine überwiegende Mehrheit aller Personen in ihrem Leben leider selten bis nie persönliche Briefe schreibt, kaum Bücher liest und zu diesem eher abstrakten Medium deutlich mehr Distanz hat als Du.

6. Menschen lassen sich nur selten von anderen Menschen ändern. Versuch das nur dann, wenn Du eine echt hohe Frustrationstoleranz oder Dein definitives Missionierungsthema gefunden hast – das gilt für einzelne Personen, aber auch „die Gesellschaft“. Ändere Dich und zeige Deine Veränderung anderen, das ist viel effektiver und wichtiger.

7. Multitasking funktioniert nicht. Single-Tasking in festgelegten Zeitblöcken mit kleinen Pausen dazwischen schon.

8. Du brauchst eigentlich keine Besitztümer. Ich brauche maximal Kleidung, ein Notebook, eine Kamera, ein Telefon und ein Bett, um irgendwo zu leben, Du vermutlich nicht viel mehr, wenn Du mal darüber nachdenkst. Der ganze Rest ist entweder temporär ausleihbar / für wenig Geld erwerbbar oder überflüssiger Luxusmüll.

9. Du schaffst es nicht, in Deutschland odachlos zu werden und/oder zu verhungern, wenn Du Dich nicht extrem dumm stellst oder Probleme hast, die Deine Handlungsfähigkeit und/oder Dein Urteilsvermögen massiv einschränken. Es gibt in diesem Lande eigentlich keine existenziellen Sorgen. Es gibt nur niedrigeren Luxus. Im Grunde kannst Du Dich also jederzeit dazu entscheiden, alles hinzuwerfen und das zu tun, was Du wirklich gerne machst, wenn Du Dich mit einem geringeren Lebensstandard zufrieden geben kannst.

10. Alles ist eine gute Geschichte. Genaugenommen sind sogar die schlechtesten Erfahrungen die besten Geschichten, also übe ein bisschen, wie man schreibt und schreib es einfach auf. Du musst Dir nicht gleich professionelles Schriftstellertum zum Ziel setzen, um gute Geschichten erzählen zu können.

18 Gedanken zu „10 Dinge, die ich 2012 gelernt habe.“

  1. Es gibt genug Leute, die ihren Kindern gerne ein Notebook kaufen würden, weil die es für die Schule brauchen, es sich aber nicht leisten können.

    Ich wär vorsichtig mit solchen Aussagen über „niedrigeren Luxus“. Im Vergleich zu irgendeinem afrikanischen Hinterland mag das stimmen. Aber das ändert ja nichts daran, dass auch hier manche Menschen nicht wissen, wie sie was ordentliches auf den Tisch kriegen sollen.

    1. Ein gebrauchtes Notebook, mit dem man einigermaßen arbeiten kann (Schreiben, halbwegs Bilder bearbeiten, Officetätigkeiten, Netz benutzen)? 200 Euro. Das kriegt man mit ein bisschen Arbeit schnell zusammen. Dach über dem Kopf, Internet, freie Wahl des Wohnortes, Essen kaufen können (wobei ich weiß nicht, was Du mit „was Ordentliches auf den Tisch“ meinst): Ja, das ist Luxus. Echt jetzt.

  2. Na ja, die ersten Punkte kann man schön mit „don’t cry – work“ zusammenfassen. Die Frage, was jetzt Luxus ist und was ist, ist auch eher eine im Auge des Betrachters.
    Manchen passiert bereits als Kind so viel Sch**** ohne eigenes Verschulden oder sie wachsen einfach „sozial schwach“ auf, dass die Startschwierigkeiten schon immens sind.
    Das Leben ist hart und ungerecht. Alles ist relativ.
    Am Ende hat’s der Mensch meist erkannt: „Alles ist Windhauch.“ (Kohelet)
    Gruß,

  3. Punkt 8 klingt wie ein Esoterik-Guru, der beschlossen hat alles weltliche hinter sich zu lassen, nur weil er es mit seinen eigenen Mitteln „scheinbar“ nicht erreichen kann.Luxus ist eine Auslegungssache, das kann man leider nicht pauschalisieren.

    Punkt 9 solltest du überarbeiten.Es gibt mittlerweile auch in der BRD genug Menschen, die definitiv existenzielle Probleme haben.Da kannst du Gift drauf nehmen.

    Insgesamt, netter Text mit belehrendem Beigeschmack.Patentrezept? Fehlanzeige.

  4. Auf den ersten Blick ein gut geschriebener, interessanter Text. Auf den zweiten Blick stelle ich fest, dass einiges doch sehr deine spezielle Lebenssituation wiederspiegelt und deshalb nicht zu verallgemeinern ist.

    Punkt 1 -> Hier wurden Vitamin B und Seilschaften außer Acht gelassen.
    Punkt 3 -> Nee, niemals. Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps.
    Punkt 4 -> Einverstanden. Ich klick mal „Das mag ich“ an.
    Punkt 8 -> Wenn du auf dem Land lebst, brauchst du ein Auto. Außer du bist arbeitslos und hast viel Zeit.

    Trotzdem … gerne gelesen.

  5. TJA, ICH LEBE IN BRASILEIN. WER HIWER AUF DEM lNDE LEBT, HAT IN DER REGEL KEIN AUTO. eR ARBEITET UND HAT ZEIT ,MIIT DEM BUS ZU FAHREN, AUCH WENN DER NUR GELEGENTLICH FAEHRT. MALLERDINGS IAT MAN HIER AUCH ARM DRAN, WENN MAN NICHT ARBEITET. DER STAAT HILFT DA WENIG.

  6. Finds etwas schade, dass mein Kommentar gelöscht wurde. „Priveligierter Standpunkt“ ist jetzt kein offensiver Begriff und auch nicht unbegründet, wenn ich mir Deine Vita so ansehe. Es hat eben nicht jeder ein abgeschlossenes Hochschulstudium (auch nicht die Voraussetzungen dazu) und das alleine ist bereits ein gewaltiger Vorteil. Aus so einer Lebenssituation lässt sich Verzicht auf bestimmte Dinge („kauf/leihe ich mir halt, wenn ichs brauche“) auch ganz anders argumentieren. Auch ein 200-Euro-Laptop kann sich nicht jeder ansparen, erst recht nicht die zugehörigen Fixkosten (Netzzugang..), das geht nur mit einem soliden Einkommen. Usw. Viele Dinge hängen voneinander ab in bestimmten Lebenssituationen, so dass der Text vielleicht inspirierend sein kann, aber nur für eine bestimmte Gesellschaftsschicht.

    1. Ich habe eine Freigabeschleife drin, um Spam und Ähnliches zu verhindern. Dass ich schreibe, dass man mit wenig Dingen und auch wenig Geld glücklich leben kann: Auf welche Weise ist das ein „privilegierter Standpunkt“? Ich selbst bin weder vermögend noch irgendwie luxuriös lebend, phasenweise sogar das komplette Gegenteil (ja, das passiert auch Menschen mit Studium).

      Weiterhin gilt aber auch hier: Was Du in den Text rein- oder rausinterpretierst, das liegt bei Dir. Da steht nirgendwo „Das hier soll ein total inspirierender Text sein, den jeder unbedingt so befolgen und dem man zustimmen muss!“, richtig?

      1. Hmm, dann stimmt was mit Deinem Kommentarsystem nicht. Oben stand z.B. von „Robin Urban“ vorhin noch (für mich lesbar) „Freut mich, dass es Dir so gut geht“ oder so ähnlich.

        > Auf welche Weise ist das ein “privilegierter Standpunkt”
        Kurz: Verzicht und Demut muss man sich leisten können. Zum Vergleich: Der der satt ist, kann problemlos mal vor Ostern fasten. Wenn er jedoch (ich überhöhe jetzt) predigt, wie leicht es doch sei, einfach mal auf mehr Dinge zu verzichten, mag das auf einige offensiv wirken.

        Sicher, über dem Artikel steht „die _ich_ 2012 gelernt habe“. _Im_ Artikel wendest Du aber konsequent eine passive Du-Form an. „Du brauchst keine Besitztümer“, „Du schaffst es nicht, in Deutschland odachlos zu werden“. Es ist also nicht ganz von der Hand zu weisen, dass sich davon Leute angesprochen fühlen werden. Und, doch, Leute schaffen es durchaus in Deutschland obdachlos zu werden.

      2. 1. Ja, den Trollkommentar habe ich gelöscht. Wenn jemand nicht auf meine Antwort auf einen Kommentar eingeht und mir stattdessen vorwirft, mir gehe es wohl zu gut, ohne auch nur ansatzweise irgendetwas über mich und meine Situation zu wissen (die Kommentarfunktion ist dazu da, einen Text zu kommentieren, nicht in irgendeiner Form über den Autor eines Blogs rumzuspekulieren), dann entferne ich das selbstverständlich bzw. schalte es eigentlich gar nicht frei.

        2. „Verzicht muss man sich leisten können“. Das sehe ich ganz anders, gerade als jemand, der im vergangenen Jahr aus verschiedenen Gründen, die nicht hierher gehören, oft zu deutlichem Verzicht und Einschränkungen gezwungen war/ist. Daraus entstand bei mir auch überhaupt der Gedanke, dass man eigentlich gar keine Gegenstände braucht, nicht aus irgendeiner Art von Überfluss. Die Motivation ist aber egal, selbst wenn das ein reicher Mensch feststellt, so stimmt die Tatsache, dass man zum Leben eigentlich nur ein paar Gegenstände braucht, das ist der Punkt, den _ich für mich_ gelernt habe. Zwei der beeindruckensten Leute, die ich im letzten Jahr kennengelernt habe, lebten im Prinzip aus einem Rucksack. Nicht, weil sie reich sind. Sondern weil ihnen das Leben so gefällt.

        3. http://www.zeit.de/politik/ausland/2012-11/usa-obdachlosigkeit-armut – Lies, was ich geschrieben habe (da steht nicht „man schafft es nicht obdachlos zu werden Punkt“) und vergleiche es mit dem Artikel hier.

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