Slavoj Žižek über Buddhismus, Kafka, Star Wars, Gangnam Style, Liebe und so ziemlich alles andere

Gastvorlesung an der University of Vermont: Zwei Stunden typisches Žižek-Hirnfutter mit wild-kaskadenhaften Sprüngen durch völlig unterschiedliche Themengebiete am halbroten Faden Buddhismus, Spiritualität und Religion entlang. Eine sehr ausführliche und zutreffende Kritik an dem Vortrag („Obscurantism is essentially a falsification of what would be profound—and that explains not only its fascination, but its tragedy.“) findet sich hier, das macht die Vorlesung aber nicht weniger interessant.

/via openculture.

Ein Gedanke zu „Slavoj Žižek über Buddhismus, Kafka, Star Wars, Gangnam Style, Liebe und so ziemlich alles andere“

  1. Ich denke das Ziel der buddhistischen Praxis der Meditation ist mehr als die bloße Loslösung vom Selbst. Es verändert nicht nur die Sichtweise auf die Realität sondern nachweislich auch die Biologie des Gehirns. Es verhilft zu einem inneren Klärungsprozess, bei dem Ängste, Wut und Trauer mit der Zeit abnehmen und sich positive Gefühle einstellen. Darüber hinaus hilft es auch verschüttete „Herz-Qualitäten“ wie Mitgefühl und allumfassende Liebe freizusetzen. Man könnte auch sagen, Buddhismus hilft die emotionale/seelische Struktur, die im Freudschen Unbewussten veranktert ist, zu bereinigen. Dies soll jedoch nicht bedeuten, dass buddhistische Meditation psychotherapeutische Behandlung von Neurosen oder anderen geistigen Krankheiten ersetzt. Zumal wir eine starke und stabile Geistesverfassung brauchen, um uns einer tiefen und dauerhaften spirituellen Praxis zu unterziehen. Aber es stellt nachweislich ein komplementäres mächtiges Heilmittel dar.
    Dies ist nun von ausschlaggebender Bedeutung für die Begründbarkeit von Ethik, insofern als Ethik niemals durch Gebote kultiviert werden kann, sondern nur aus einer gesunden emotionalen Verfassung der Menschen selbst heraus erwächst – in völliger Selbstregulation, die ein Wesen des lebendigen (nicht unterdrückten) Lebens ist. Darum lehne ich auch jeglichen radikalen Buddhismus ab, der von völliger sexueller Abstinenz und einer stumpfen totalen Objektivierung der Realität ausgeht. Denn eine wissenschaftliche Revolution steht uns noch (hoffentlich) bevor: Die Sexualökonomie. Wenn das Liebesleben in Kindheit und Jugend nicht zugelassen wird, so wird der Mensch emotional verkrüppelt und wird zum „biopathischen Individuum“. Oder noch allgemeiner: wenn libidinöse Energie unterdrückt wird, kanalisiert sich diese auf abnorme/destruktive Weise. Es kommt zur emotionalen Deformierung.
    In der TCM betrachtet man emotinale wie körperliche Symptome als zwei Aspekte eines zu Grunde liegenden Ungleichgewichts im Energiefluss, dem Qi. Das Qi lässt sich auf dreierlei Arten beeinflussen: mit Meditation, die es neu belebt, mit Nahrung sowie Arzneikräutern und mit dem direktesten Verfahren, der Akupunktur, welche als körperpsychotherapeutische Massnahme zu verstehen ist.
    Ich denke nur unter Einbeziehung des Verständnisses unserer Emotionalität und des ihr zugrundeliegenden Energieflusses kann jene Kluft geschlossen werden, um ein ganzheitliches Bild der Einheit von Körper, Geist und Seele zu erhalten. Da die dogmatisch erstarrte Schulwissenschaft – hierbei ist die Geisteswissenschaft nicht ausgeschlossen – sich jedoch Themen wie „Energiefluss“ und „Sexualität“ sehr abwehrend und feindlich entgegenstellt, bleibt nur zu hoffen dass diese wenigstens im undogmatischen und offenen Geist des Buddhismus Zugang finden.

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