Ernst Jandl – Das Röcheln der Mona Lisa

Ernst Jandl„Das Röcheln der Mona Lisa (Ein akustisches Geschehen für eine Stimme und Apparaturen)“ von 1970. Ich erinnere mich noch sehr genau an den Moment, an dem ich das Stück zum ersten Mal hörte. Ich war damals 19 Jahre alt und am späten Abend mit dem Auto unterwegs zu meiner zweiten Freundin. Ich fuhr durch den Wald, es regnete und war stockdunkel draußen, als ich das Radio einschaltete und im Deutschlandfunk (Deutschlandfunk ist hinsichtlich Serendipität nicht unterschätzbar) unvermittelt mit einer Passage vom Anfang von „Das Röcheln der Mona Lisa“ konfrontiert wurde.

Ich lachte zuerst, war irritiert. Dann hörte ich genauer hin, musste irgendwann anhalten, um mich besser darauf konzentrieren zu können und lauschte dort im Auto dem kompletten Stück. Es war (und das ist es bis heute) für mich unglaublich faszinierend, mit welcher radikalen und gleichzeitig in der Herangehensweise sehr primitiven Kreativität hier von Ernst Jandl Sprache (de)konstruiert wird. Selbst die einfachsten Sätze werden nach und nach zu abstrakten akustischen Passagen und aus abstrakten akustischen Passagen entsteht umgekehrt eine neue Art von Sprache. Anschließend wollte ich alles über Lautpoesie und Konkrete Poesie wissen, was es zu wissen gab und viel später nahm ich sogar selbst ein paar eigene Lautgedichte auf. Ernst Jandl traf ich im Studium immer wieder, das Stück nie mehr, obwohl ich lange danach suchte. 2011 tauchte es dann auf YouTube auf.

Ach komm, erzähl mir nix (oder doch)

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s