Blogs I Read (4)

Meine Empfehlungen lesenswerter Blogs aus allen Kategorien, denn Facebook, YouTube und Spiegel Online sind nicht „das Internet“. Vorherige Artikel aus der Reihe: Eins, Zwei, Drei.

Jon Millward
(Psychologie, Soziologie, Sex)

millward_icon2Meine bisherige Neuentdeckung des Jahres: Was Jon Millward auf seinem erst seit einem halben Jahr aktiven Blog macht, ist in mehrfacher Hinsicht mehr als bemerkenswert: Sehr lange und mit viel Humor gewürzte Artikel aus dem Bereich Psychologie, Sex und Netz, die mit selbsterstellten, hochwertigen Infografiken, teilweise irre hohen Rechercheaufwänden verbunden sind und in keiner Weise Reaktionen auf irgendwelche bestehenden Diskurse oder aktuelle Themen darstellen, sondern komplett dem soziologischen Forscherdrang des Schreibers entspringen. So testet der Autor etwa Singlebörsen, indem er fiktive Profile von Männern und Frauen entwirft und guckt, was passiert, er wertet die Datenbank eines 10.000 Menschen umfassenden Pornodarstellerverzeichnisses aus oder analysiert die letzten Worte von rund 500 in Texas zum Tode verurteilten Straftätern. Wären alle Blogs so, dann könnte man Printmagazine komplett abschaffen.

Rebellen ohne Markt (Internet, Medien, Fahrradfetischismus)

rebellmarkt_iconSchwieriges Blog. Einerseits haben mich die Themen schon lange verloren (Der Blogveteran und FAZ-Blogger Don Alphonso schreibt dort über die diversen Merkwürdigkeiten der Berliner Internetszene, die Umtriebe der Piratenpartei und ihrer prominenten Vertreter, das Bloggen an sich, Zeitungsbranchenzeug, seinen Fahrrad- und Wanderfetisch und darüber, wie es ist, zu den reichen Menschen der Gesellschaft zugehören), andererseits lese ich bei Rebellen ohne Markt doch immer wieder gerne rein. Das liegt aber eben nicht so sehr an den Themen, sondern vor allem an den Texten und am sprachlichen Stil selbst – der Don kann wirklich gut schreiben und das ist unter den nichtliterarischen Bloggern meiner Einschätzung nach eine Seltenheit. Dummerweise hat er aber auch (vermutlich geschuldet seinen finanziellen Verhältnissen) ein bisschen zu wenig Sinn im Alltag, was in einem außerordentlich hohen Artikeloutput resultiert. Man kann nicht alles lesen, was dort veröffentlicht wird, aber wenn man es tut, dann fühlt man sich doch immer ein bisschen zu Hause in dieser fremden Lebenswelt.

Ze Zurrealism Itzelf (Literarisches Blog)

zurrealism_iconEs ist manchmal gar nicht so einfach, zu verstehen, was in den meist einige Absätze langen Texten von Dana Buchzik alias Sophia Mandelbaum geschieht, das ist aber auch gar nicht von Belang, denn auf Ze Zurrealism Itzelf ist die surreale und oft mit wild und bunt wuchernden Metaphern aufgeladene Sprache der eigentliche Star. Die im besten Sinne eigensinnige und originelle Autorin entwirft intime, oft hochemotionale und eindringliche Sprachbilder, auf die man sich einlassen muss, in denen man sich dafür aber stundenlang verlieren kann. Angereichert wird das rundum lesenswerte literarische Blog mit meist sehr sehenswerten Photographien von anderen Künstlern.

Bonustipp: Social Media für Blogger

Beliebte Frage: Braucht man eigentlich den ganzen Social Media-Quark, wenn man ein Blog betreibt? Einfache Antwort: Es hilft ein bisschen. Lange Antwort: Nicht unbedingt. Was man tun sollte, ist, die Artikel auf seinen eigenen Social Media-Accounts (vor allem Facebook und Twitter, den Rest kann man im Grund vergessen) zu verlinken. Das verhilft aber nur dann zu einigen zusätzlichen Lesern, wenn man dort auch ansonsten aktiver Teilnehmer ist. Auf Facebook klicken in Relation mehr Menschen auf eben diese Links, Twitter hat den Vorteil, dass es per Default durchlässiger ist, i.e. dass sich Texte leicht in alle Richtungen verbreiten können. Eigene Accounts / Pages für das Blog können darüber hinaus sinnvoll sein, sind aber wirklich viel Arbeit und lohnen nur dann, wenn auch der Output entsprechend hoch ist oder man die Zeit hat, für diese Accounts zusätzliche Links und Postings zu schreiben und recherchieren. Dort wird aber noch deutlich viel weniger auf Links geklickt als auf privaten Accounts. Sharing- und Like-Buttons unter den Texten tragen dagegen mit Sicherheit zur Verbreitung der eigenen Inhalte bei, man muss aber auch die Konsequenzen des permanenten „Bewertungsterrors“ für die eigenen Texte tragen wollen und sich darauf einstellen, dass einige Artikel eben gar kein Interesse zum Weiterverteilen hervorrufen. Fazit-Antwort: Zumindest Twitter und Facebook sollte man in irgendeiner Form einbeziehen, darüber finden sich immer wieder Leser für das eigene Blog. Viel mehr Menschen rufen (zumindest ist das bei meinen Blogs so) aber nach einiger Zeit das Blog direkt ab oder abonnieren es (etwa über RSS), wenn man eine Zeit lang regelmäßig publiziert.

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