Anderthemen – Texte & Diskurse (VII)

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Weitere Leseempfehlungen aus den Weiten des Netzes sind täglich auf meinem Quote.fm-Account zu finden, dort allerdings meist unkommentiert.

1. „The Killing Machines“The Atlantic

Ich muss zugeben, dass ich bisher nicht sonderlich viel über Drohnen gelesen und entsprechend auch nicht viel darüber gewusst habe (sogar die ganze innenpolitische Debatte um die Euro-Hawk-Affäre lief ziemlich an mir vorbei), wenn man mal von den Grundfakten absieht, dass sie ferngesteuerte, fliegende, oft auch bewaffnete Maschinen sind, deren Einsatz auf eine schwer erklärbare Weise befremdlich erscheint, vielleicht deshalb, weil sie im Krieg so etwas wie der fleisch- bzw. eher stahlgewordene Gott aus der Maschine, der selbst eine Maschine ist, sind. In dem sehr lesenswerten Artikel „The Killing Machines“ zeichnet der Schriftsteller und Journalist Mark Bowden für The Atlantic nach, wie Drohnen in der Praxis als Überwachungs- und Tötungswerkzeuge fungieren, wie sie geschichtlich entstanden sind, was die ethischen, rechtlichen und „kulturellen“ (Anführungszeichen, weil ich Krieg nicht als Kultur bezeichnen mag) Probleme mit diesen Maschinen sind und wie sie von den USA eingesetzt werden.

2. „Zukunft der Zeitung: Die Odyssee der Online-Onkels“FAZ.net

Als ich irgendwann über den ersten Text aus der „Zeitungsdebatte“ bei Spiegel Online stolperte und dann noch einige andere davon las, fragte ich mich unweigerlich, was jetzt genau originell daran sein soll, wenn die penetrantesten „Print ist tot!!“-Blogger noch mal griffig zusammenfassen dürfen, was sie seit gefühlten tausend Jahren jeden Tag in ihre Blogs und Twitteraccounts schreiben (inzwischen ist die Artikelreihe etwas besser geworden). Stefan Schulz wirft in seinem Kommentar „Die Odyssee der Online-Onkels“ einen differenzierteren Blick auf die Widersprüche und Unsinnigkeiten der bekannten Argumente, verteidigt die gedruckte Zeitung und erklärt sehr schlüssig die derzeit vorhandenen Probleme mit dem Online-Journalismus. Zur Sache ebenso lesenswert führt Sascha Lobo an dieser Stelle aus, dass die Protagonisten sich im Grunde nur alle in ihren Artikeln selbst empfehlen und Don Alphonso macht in seinem FAZ-Blog das, was Don Alphonso in so einem Fall eben macht. Die drei Sekundärtexte sind dabei deutlich unterhaltsamer und aufschlussreicher als die Texte der Reihe selbst.

3. „Schreiben für die NSA „Textdump

Günter Hack über das Schreiben für die NSA. Ein irre absurder, permanent Haken schlagender, inspirierender, gleichzeitig aber auch sehr ernsthafter und kluger Text. Dringende Empfehlung.

4. „Wir Vergangenheitsbewältigungsweltmeister“Zeit Online

Man sollte froh sein, dass Jonathan Meese gestern freigesprochen wurde. Alles andere wäre wirklich beängstigend gewesen. Die in dem Fall zuständigen Richter waren offenbar in der Lage, zu erkennen, dass es sich bei Meeses Hitlergruß im Rahmen der Documenta im vergangenen Jahr um Kunst und nicht etwa um eine private Meinungsäußerung handelte. Diesen deutlichen Unterschied zu erkennen fällt für mich in den Bereich Medienkompetenz, vor allem, weil er naturgemäß noch viel stärker Texte, Bilder und Videos als Taten betrifft (die Möglichkeit eines Schreibens aus einer lyrischen Ich-Perspektive heraus scheint in den „Was tust Du gerade“-Medien schon kaum mehr möglich ohne expliziten Hinweis darauf), aber ich befürchte, dass solche Fälle in der Zukunft eher zu- als abnehmen werden. Die Zeit wirft einen Blick im größeren Kontext auf die ganze Farce, lesenswert dazu auch das Monopol-Magazin, das Meeses eigenen Umgang mit dem Urteil zeigt (man muss Meese in seiner ganzen autistisch-merkwürdigen Art, die dazu auch noch ganz unwitzig für eine höhere Stellung der Kunst kämpft, einfach gerne haben, der Mann hat Humor und Verstand).

5. „Pyura chilensis: the closest thing to getting blood from a stone“Scientific American

Fuck yeah, Biology! Du glaubst, Du bist introvertiert? Erzähl mir nix. Das bizarre Steinwesen ist so introvertiert, dass es sich nicht bewegen kann, keinerlei äußere Features und auch sonst nur einen Zu- und einen Abfluss hat. Für echte Nerds gibt es hier noch ein wissenschaftliches Paper über die Fortpflanzung des bizarren, introvertierten Steinwesens als Bonus.

Ach komm, erzähl mir nix (oder doch)

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