Blogger ohne Meinung.

keinemeinung

Ich habe keine Meinung zum Twitteraufreger „Blockempfehlung“, weil mir einerseits durchaus bewusst ist, wie superätzend und belastend Trolle in sozialen Netzwerken sein können, mir anderseits aber auch klar ist, dass die Vorgehensweisen „Pranger“ und „Ausgrenzung von kritischen Meinungen“ ein mittelalterliches Verhalten sind, das eine moderne Gesellschaft überwunden haben sollte. Ich glaube aber zu wissen, dass Menschen, die sich exzessiv mit einem solchen Thema auseinandersetzen, eher unglückliche Figuren sind, die lieber mal den Rechner ausschalten und einen Waldspaziergang machen sollten.

Meine Bewertung der aktuellen Ereignisse in Hamburg liegt irgendwo in der Mitte. Ohne die vielen Tweets und Blogeinträge hätte ich beim regelmäßigen Flanieren durch die Schanze gar nicht bemerkt, dass mir hier irgendeine Gefahr droht, weder von einer wildgewordenen Polizei noch von bösartigen Extremisten. Auch bin ich im Gegensatz zu allen anderen Menschen im Internet nicht dazu in der Lage, die von den beiden Konfliktparteien heftig betriebene Propaganda für ihre Sichtweise einzuordnen, denn dazu müsste ich mich politisch positionieren und anschließend einfach blind alles glauben, was „meine“ Seite verkündet. Ein objektives Urteil über die Vorgänge kann ich mir trotz meiner durchaus vorhandenen Lesekompetenz leider nicht bilden, da jede Äußerung einen der beiden Standpunkte einzunehmen scheint und bei diesem Thema offenbar gar kein Interesse an objektiver Berichterstattung herrscht.

Ein Standpunkt zu der von Feministinnen vorangetriebenen Kontroverse um die Rede von Julian Assange auf dem Kongress des CCC fehlt mir, denn ich weiß nicht, was der Mann getan oder nicht getan hat. Ich war nicht dabei in der Nacht, in der er angeblich eine Frau vergewaltigt hat und die Polizei hat mir auch nicht die Ermittlungsakten geschickt, die ich deswegen nicht von einem Spezialisten für schwedisches Sexualstrafrecht prüfen lassen konnte, um ein kompetentes Urteil zu fällen. Bis auf weiteres halte ich mich daher an die Unschuldsvermutung und beteilige mich nicht an Spekulationen.

Zu Michael Schumachers Ski-Unfall kann ich an dieser Stelle lediglich verkünden: Das Leben von ehemaligen Profisportlern, die ich nicht persönlich kenne, geht mich überhaupt nichts an. Auch an der Medienkritik bezüglich der Berichterstattung kann ich mich nicht beteiligen, da diese Beteiligung unwillkürlich die kritisierte Art der Berichterstattung unterstützt, indem sie das Thema noch ein Stückchen wichtiger erscheinen lässt, woran ich keinerlei Interesse habe.

Die Piratenpartei und ihre radikalen sowie gemäßigten Flügel sind mir vollkommen egal. Ich bin schon vor einem halben Jahr zu dem Schluss gekommen, dass diese Partei durch ihre endlosen, in aller Öffentlichkeit ausgetragenen Streitereien vollkommen irrelevant geworden ist, deswegen bilde ich mir erst gar keine Ansicht darüber, ob Antifa-Flaggen etwas auf dem kürzlich erfolgten Parteitag der Kindergartentruppe verloren hatten. Ich äußere mich nur ernsthaft über Parteien, die auch politische Themen forcieren und gesellschaftliche Ideen formulieren.

Zu all diesen Themen habe ich aus den genannten Gründen keine Meinung und kann dazu einfach nichts dazu sagen. Ich bin wohl ein verdammt schlechter Blogger.

9 Gedanken zu „Blogger ohne Meinung.“

  1. möchte man dem text stark zustimmen und auch auf diejenigen motzen, die sich mit solchen sachen beschäftigen, andererseits ist man damit aber direkt wieder auch jemand, der sich mit soclhen sachen beschäftigt und sitzt in der falle, der man eigentlich entkommen wollte.

    tricky, ich habe die antwort auch nicht.

    1. Man kriegt diese Dinge ja unfreiwillig mit. „The News will find you“, das alte Mantra für die angebliche Großartigkeit von Social Networks, ist geradezu ein Fluch geworden.

      1. die antwort steht schon oben: das mit dem waldspaziergang ist am ende vielleicht doch die beste idee ^^.

  2. Ich kann die Position etwas verstehen, weil man dauernd mit Meinungen und Themen bombardiert wird. Aber vielleicht muss man zu manchen Sachen einfach mal eine Meinung entwickeln und sich auch mal politisch auf die eine oder andere Seite positionieren (vielleicht jetzt nicht Schumacher, aber Hamburg zum Beispiel schon). Mit der neutralen Außenseiterposition kommt man jedenfalls am Ende auch nirgendwo hin und ist so schlau wie zuvor und alle anderen.

  3. Zu „Blockempfehlung“: Es gibt auch Unterstützung von Betroffenen und bloß weil etwas gegen Trolle geht, muss es nicht gleich Pranger sein. Von „lass dich nicht ärgern“, „don’t feed the trolls“, „mach halt nen Waldspaziergang“ halte ich nicht so viel, weil es meiner Meinung nach eher ein Alleinlassen als ein Unterstützen ist. (Insgesamt finde ich das Urteil, dass sich jemand mit (etwas im) Internet zu exzessiv beschäftige und lieber den Rechner ausmachen und in den Wald gehen soll, von oben herab und nahe dran an der Meinung, das was im Internet ist solle eins sich nicht so zu Herzen nehmen, weil ist ja nicht real, hahaha, ja klar. Aber vielleicht lese ich da auch zu viel rein.)

    Zu Assange: Eins muss für diese Frage ausnahmsweise kein_e (schwedische_r) Rechtsexpert_in sein, und auch kein_e Augenzeug_in. Assange wird u.a. vorgeworfen, mit einer der beiden Frauen Sex ohne Kondom gehabt zu haben, obwohl sie wollte, dass ein Kondom benutzt wird. Die andere Frau versuchte er zu penetrieren, während sie noch schlief. Er bestreitet beides nicht, bekennt sich also dazu, so gehandelt zu haben, findet aber, dass das nicht unter Vergewaltigung fällt. Ich für meinen Teil sehe das anders. Jip, it’s that easy, nicht sonderlich spekulativ und die Feministinnen™ haben sich das nicht fröhlich aus den Fingern gesogen.

    1. Dass Du diese beiden Themen in dieser Weise herauspickst, macht es nicht sonderlich schwer, zu erkennen, aus welcher ideologischen Ecke der Kommentar kommt. Zu Ideologien habe ich eine Meinung: Ich kann sie nicht leiden, weil sie das logische Denken mit vorgefertigten Antworten vernebeln.

      Thema Eins: Auch wenn ich keine Meinung habe, bin ich doch meistens gut informiert (vermutlich hätte ich sonst auch eine eindeutige Meinung). Ich weiß, was der Account @blockempfehlung treibt. Das ist ein glasklarer Pranger im engsten Sinne der Definition, der dazu aufruft, missliebige Meinungen aus dem Netz zu blocken. Da sind natürlich „richtige“ Trolle dabei (die Grenze fließt – wie immer – und das Label „Troll“ ist auch an sich schon schwierig), aber auch sehr viele Accounts, die einfach dem Betreiber des Prangers nicht passen, der wiederum ideologisch agiert. Du siehst: Vermutlich sollte ich selbst lieber in den Wald fahren – was man gegen hartnäckige Belästiger unternehmen kann, weiß nun niemand ganz sicher, aber (blocken und) ignorieren reicht in den allermeisten Fällen. Bei öffentlichen Prangerlisten wird es dagegen schwierig.

      Thema Zwei: Gut, dass Du offenbar so viel darüber weißt, was da vorgefallen ist. Ich weiß es nicht und ich bin kein Anwalt, Richter oder Kenner schwedischen Rechts, das in dieser Frage durchaus anders ist als deutsches Recht. Und ich urteile nicht im Netz über juristische Fragen, die Menschen betreffen. Das ist die Aufgabe von Gerichten. Wir brauchen sicher keine Crowd-Justiz.

      1. Oh, die Ideologie-Keule. Klar, da kann ich jetzt viel sagen und es wird, solang es nicht konträr zu dem ist, was ich vorher gesagt habe, immer als vorgefertigt, vernebelt etc. gesehen. Verzeih bitte, dass ich mich geäußert habe, statt einfach das Weite zu suchen. (Hatte ich überlegt, aber manchmal will eins ein „das ärgert mich“ halt doch loswerden.)

        Den Blockempfehlung-Twitteraccount hab ich mir noch nicht angeschaut, überhaupt ist der ganze Aufreger etwas an mir vorbeigegangen, die Feiertage haben mich wohl abgelenkt. Wie auch immer, kein Thema das mich übermäßig interessiert, dein Unterton von „don’t feed the trolls und mach n Waldspaziergang“ war das, was mir hauptsächlich aufstieß, aus erklärten Gründen.

        Ich hab nichts von Crowd-Justiz gesagt und ich maße mir auch nicht an, eine Strafe über Assange verhängen zu wollen. Was ich da schrieb, ist einfach nur das, was ihm vorgeworfen wird und was er auch nicht abstreitet. Die Frage ist also nicht, was genau passiert ist, denn soweit ich weiß, widersprechen Assange und die beiden Frauen sich da nicht, sondern was eins nun als Vergewaltigung definiert. Das war das, was ich mit „it’s that easy“ meinte, das ist das, wofür eins – meiner Meinung nach – keine juristische Ausbildung (oder schwedische Staatsbürgerschaft oder was weiß ich) braucht.

Ach komm, erzähl mir nix (oder doch)

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