Schwarze Perlen: Die besten Black Metal-Alben der 00er und 10er

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Aus der Kategorie Zeug, das keiner kennt: In meiner kleinen Musikfundgrube gibt es heute ein paar hervorragende Black Metal-Alben zu entdecken, die deutlich zu wenig Aufmerksamkeit bekommen.

Die Black Metal-Szene ist in den letzten zehn Jahren geradezu explodiert. Nachdem in den 90ern vor allem langhaarige Gestalten aus skandinavischen Wäldern diesen extremen Musikstil praktizierten und anschließend Anfang des neuen Jahrtausends diverse Amerikaner mit Ein-Mann-Bands in dem Genre auf sich aufmerksam machten, gibt es heute tausende Bands aus aller Welt, die Black Metal spielen. Diverse Subgenres haben sich im Laufe der Jahre etabliert und das Genre ist zumindest in Teilen auch im Mainstream angekommen. Das ist nicht zuletzt großen Musikmedien wie Pitchfork zu verdanken, die Bands wie Wolves In The Throne Room, Deathspell Omega, Agalloch oder Deafheaven die Aufmerksamkeit zukommen haben lassen, die diese herausragenden Musiker durchaus verdient haben. Neben den bekannten Acts exisiteren aber auch eine Tonne richtig guter Bands und Alben, die leider nicht im Licht der Öffentlichkeit stehen. Da ich selbst sehr viel Musik aus diesem Genre konsumiere, möchte ein paar übersehene Alben aus den letzten 13 Jahren vorstellen. Ich habe dabei versucht, möglichst unterschiedliche Spielarten auszusuchen, um für verschiedene Geschmäcker etwas im Boot zu haben.

Botanist – „IV: Mandragora“

iv-mandragoraBotanist sind in mehrerlei Hinsicht eine Ausnahmeerscheinung in der Musiklandschaft: Ein einzelner Musiker aus San Franscisco, der unter dem Pseudonym Otrebor in seinen Songs vor allem seine Liebe zu Pflanzen besingt, Geschichten über deren bevorstehende Übernahme der Weltherschaft erzählt, dazu abstrakten Black Metal mit einem Hackbrett statt einer Gitarre als Hauptinstrument performt und auch alle anderen Instrumente selbst einspielt. Auch wenn bereits die bisherigen Veröffentlichungen sehr hörenswert waren: Auf „IV: Mandragora“ stimmt zum ersten Mal alles: Das Songwriting ist rund, der Sound ist deutlich druckvoller und professioneller geworden und die atonalen, ungewöhnlichen Melodien von Botanist bezeugen sehr deutlich, warum es sich hier um eine Band handelt, die man unbedingt auf dem Schirm behalten sollte.

• Weiterlesen: Ein Interview mit Botanist bei The Quietus
• Anhören: „To Amass An Army“

Horseback – „The Invisible Mountain“

theinvisiblemountainEine Band, deren absurdes Konzept sich auf dem Papier so liest, als ob es auf keinen Fall funktionieren könnte: Horseback kombinieren Drone, Psychedelic, Black Metal und amerikanische Folk-Melodien zu einer ziemlich eigensinnigen und originellen Mixtur, die am Ende tatsächlich so klingt, als würden Immortal und Sunn O))) plötzlich gemeinsam eine Neil Young-Coverband gründen. Auf „The Invisible Mountain“ ist diese ungewöhnliche Rezeptur wahrscheinlich am ausgefeiltesten und musikalisch stimmigsten realisiert: Schnelle Black Metal-Passagen sind auf der Platte genauso vorhanden wie Anklänge an Lagerfeuer-Melodien und ausgedehte Texturen aus Feedbacksounds.

• Weiterlesen: Über Jenks Miller und seine höchst unterschiedlichen Projekte
• Anhören: „Invokation“

Blood Of Kingu – „Sun In The House Of The Scorpion“

houseofthescorpionElemente fernöstlicher Musik, vertrackte Percussion und zentnerschwere Riffs verbinden sich auf „Sun In The House Of The Scorpion“, dem Zweitwerk der ukrainischen Band Blood Of Kingu, zu einem gänzlich runden Erlebnis irgendwo zwischen Black und Death-Metal. Auch die herausragenden, rauen Vocals und die konzeptuelle Ausrichtung auf ägyptische Mythologie tragen zu der dichten Atmosphäre der Band bei, in der sich Musiker von Bands wie Drudkh und Hate Forest versammeln. Blood Of Kingu nehmen derzeit mit höherem Budget und größerem Label im Rücken ihr drittes Album auf, bis dahin ist „Sun In The House Of The Scorpion“ ein Referenzwerk für jeden, der seinen Black Metal finster und dreckig mag und auch gegen exotische Elemente nichts einzuwenden hat. Eindrucksvolles Album.

• Weiterlesen: Ausführliche Rezension von „Sun In The House Of The Scorpion“
• Anhören: „Those That Wander Amidst the Stars “ (ab 00:40)

Deathspell Omega – „Drought“

droughtAuch wenn die beiden Meisterwerke „Si Monumentum Requires, Circumspice“ und „Paracletus“ in den Kanon des modernen Black Metal eingegangen sind und die französische Band jedem Fan des Genres ein Begriff ist: Immer wieder übersehen werden die EPs von Deathspell Omega. Dabei kommt die noch immer aktuelle Scheibe „Drought“ mit einer Spielzeit von 25 Minuten und 6 Songs nicht nur in Sachen Umfang in die Nähe eines richtigen Albums, sondern ist auch einer der spannendsten, zugänglichsten und vielseitigsten Outputs der Band. Derart originell und komplex zelebriert diese Musik derzeit keine andere Band. Wer etwas über den Stand des Black Metal im Jahre 2013 wissen will, der sollte aktuelle Songs von Deathspell Omega hören.

• Weiterlesen: Sehr lange Analyse über die Albumtrilogie
• Anhören: Die komplette EP auf YouTube

Woods Of Desolation – „Torn Beyond Reason“

woodsofdesolationHervorgegangen aus der ebenfalls hervorragenden und musikalisch sehr ähnlichen australischen Band Austere sind Woods Of Desolation eines der Highlights der eher moderneren Spielarten Ambient Black Metal / Blackgaze: Weite, post-rockige Gitarrentexturen, weit nach hinten gemischte Vocals, kein sonstiger Schnickschnack. Variation findet bei dieser Band eher in Tempi-Wechseln und den getragenen Melodien statt. „Woods Of Desolation“ ist damit alles andere als ein innovatives Album, aber eines, das in seiner kleinen Nische fast die Stufe der Perfektion erklimmen kann.

• Weiterlesen: Ausführliche Rezension von „Torn Beyond Reason“
• Anhören: Das ganze Album auf YouTube

Murmuüre – „Murmuüre“

murmuüre Die obskurste Veröffentlichung aus dieser Liste, eine aus jeder Kategorisierung fallende Seltsamkeit: Entstanden aus einer einzigen, einstündigen Impro-Session eines Musikers, der später die verschiedenen Gitarrenspuren kreuz und quer übereinander legte und bearbeitete, ursprünglich nur auf Kassette zu haben und ein unterirdischer Sound, der so klingt, als wäre das Album mit einem billigen Handy aufgenommen worden. Und trotzdem: Murmuüre ist ein psychedelisch-dahinwaberndes, absolut faszinierendes Stück Lo Fi-Underground-Black Metal geworden, für dessen limitierte Originalkopien inzwischen Höchstpreise gezahlt werden und das es regelmäßig sogar in Bestenlisten schafft. Eine weitere Veröffentlichung unter dem Namen wird es übrigens nicht geben, so dass das Album ein Einzelstück bleibt, was seiner Kulthaftigkeit alles andere als schaden dürfte. Kopfhörermusik für Fortgeschrittene.

• Weiterlesen: Interview mit dem Musiker hinter dem Projekt
• Anhören: „Amethyst“

Velvet Cacoon – „Genevieve“

GenevieveAtmosphärisch absolut herausragend, ziemlich lo-fi und underground: Die Amerikaner Velvet Cacoon wurden Mitte der 00er mit „Genevieve“ ein echter Geheimtipp, bevor die Band einige Jahre später ein weiteres, elektronisches Ambient-Album veröffentlichte und dann komplett verschwand. Über die Identität der Mitglieder und ihre Motivation ist nur wenig bekannt, ein ganzer Sack voll Lügengeschichten, nie existente Alben und Gerüchte wurden wohl von der Band selbst gezielt erfunden und gestreut, um die Rekonstruktion der Bandgeschichte zu verunmöglichen. Das einzige, was übrig bleibt, ist diese Musik mit ihren hypnotisch-fließenden Unterwassergitarren und selbige ist wirklich bemerkenswert gelungen.

• Weiterlesen: Rekonstruktion der Geschichte von Velvet Caccon
• Anhören: „Laudanum“

Ihsahn – „angL“

anglNach dem Ende der legendären norwegischen Band Emperor führten die Wege der Protagonisten in zwei Richtungen: Während Gitarrist Samoth fortan extrem schnellen, hochtechnischen Death Metal machte, zeigte der Frontmann Ihsahn auf inzwischen vier Solo-Alben seine Vorliebe für Saxophone, für achtseitige Gitarren, abseitige Songstrukturen und Progressive Rock der Marke Opeth, gekonnt vermischt mit dem früheren Black Metal von Emperor. Sein zweites Soloalbum „angL“ sticht dabei musikalisch besonders heraus: Ihsahn singt, kreischt und experimentiert sich an seinem Instrument die Seele aus dem Leib. Gezupfte Intros, irrwitzige Riffs, viele Soli, ein extrem variantenreiches und hörenswertes Album eines großartigen Musikers.

• Weiterlesen: Ausführliche Rezension von „angL“
• Anhören: „Threnody“

Les Discrets – „Septembre Et Ses Dernières Pensées“

Septembre-Et-Ses-Denieres-PenseesAus dem Alcest-Umfeld und aus Frankreich kommt die Band Les Discrets, die Black Metal der sehr modernen Art anfertigt: Kombiniert mit Shoegaze- und Dream Pop-Elementen, akustischen Gitarren und cleanen Vocals wird hier ein magischer, warmer, streckenweise sehr melodischer Sound aufs Parkett gezaubert, der auch die Sorte Hipster begeistert, die neben ihrem Indierock Deafheaven und Co. für sich entdeckt haben. Leider haben es Les Discrets sowohl davor als auch danach nicht wieder geschafft, eine derart dichte Atmosphäre wie auf „Septembre et Ses Dernières Pensées“ zu kreieren. Aber dieses Album bleibt eine echte vergessene Perle und sollte von jedem angehört werden, der verstehen will, was die Genrezuschreibung Blackgaze eigentlich bedeutet.

• Weiterlesen: Ausführliche Rezension von „Septembre Et Ses Denieres Pensees“
• Anhören: Das komplette Album auf YouTube

Dodecahedron – „Dodecahedron“

dodecahedronDas Debüt der niederländischen Formation Dodecahedron ist eine musikalische Offenbarung: Irgendwo zwischen dem Mayhem-Wahn von „Ordo Ad Chao“ und Math-Rock mit jazzigen Versatzstücken puzzlet die Band chaotisch-verschachelten, komplexe Riff-Schemata in ihren Black Metal und schafft es dabei, einen sehr eigenen Sound zu entwickeln, der den ganz großen Acts durchaus das Wasser reichen kann. So darf und soll Black Metal im 21. Jahrhundert klingen: Progressiv, innovativ, sehr sauber produziert und trotzdem keine Zugeständnisse an den Mainstream machend. Eigentlich kein Wunder, dass Dodecahedron ihr erstes Album nach lediglich einem zwei Songs umfassenden Demo direkt bei Season Of Mist veröffentlichen durften. Man darf sehr gespannt sein, was diese junge Band noch aus dem Hut zaubern wird.

• Weiterlesen: Ausführliche Rezension von „Dodecahedron“
• Anhören: „Allfather“ (ab 00:00)

Windir – „Likferd“

likferd1Eine skandinavische Band, die im Verhältnis zu ihrer musikalischen Qualität deutlich zu unbekannt ist: Windir machen klassischen Pagan-Black Metal auf sehr hohem Niveau, kombinieren warme, analoge Gitarrensoli mit Blastbeats, symphonische Keyboards mit Metal-Riffs und kreieren auf ihrem letzten Album „Likferd“ eine höchst angenehme und komplexe Soundlandschaft, die allen Arten von Gitarrenmusikliebhabern ans Herz gelegt werden kann. Weitere Musik von Windir wird es leider nicht geben, da der hauptverantwortliche Musiker Terje „Valfar“ Bakken im Jahr 2004 auf die etwas dumme Idee kam, bei einem Schneesturm eine Wanderung in die norwegischen Wälder anzutreten und sein Körper nur in tiefgefrorener Form den Weg zurück in die Zivilisation fand.

• Weiterlesen: Ausführliche Rezension von „Likferd“
• Anhören: „Martyrium“

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