Social Media-Inventur im ersten Quartal 2014

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Eine kleine Inventur meiner eigenen Internetaktivitäten als Grundlage für Neusortierungen und Veränderungen in der Zukunft.

Blogs

Ich bin weiterhin begeisterter Blogger, wie man vielleicht auch an der hiesigen Postingfrequenz der letzten Zeit ablesen kann. Im Grunde gilt also weiterhin das, was ich an dieser Stelle das ganze letzte Jahr über Blogs schrieb: Sie sind die Königsklasse des Publizierens eigener Inhalte im Netz. Keine abgeschotteten Dritt-Anbieter sind im Spiel, keine hirnlosen Likes und Kommentare, sofern man das nicht ausdrücklich erlaubt, das Tempo und die Länge bleibt komplett dem Schreiber überlassen.

Die Schattenseite: Blogs werden in aller Regel sehr wenig gelesen. Ich habe auf Der Lampiongarten und Die Irrlichterkette inzwischen eine Art Stammleserschaft aufgebaut, ein großer Teil der Besucher kommt aber dennoch ausschließlich über Verlinkungen aus Facebook und Twitter. Der klassische Teil des Mitmach-Internets (viele kleine Seiten und Angebote) scheint immer mehr zu einem reinen Link-Zulieferanten für die großen Flaniermeilen zu werden, Menschen die aktiv kleinere Angebote suchen oder gar abonnieren, sterben dagegen aus.

Twitter

Mein seit einiger Zeit vorherrschender Twitterfrust hält an. Auf der Plattform sind sicherlich einige der klügsten Menschen unterwegs, die ich in dem Medium Internet bisher getroffen habe, aber dummerweise auch eine riesige Masse mediengeiler Empördeppen, die es mit purer Quantität jeden Tag schaffen, Themen zu setzen, zu denen dann alle fast zwanghaft ihre Meinung absondern müssen. Von diesem Teil von Twitter möchte ich mich distanzieren, diesem prozentual riesigen Teil, dessen wichtigste Themen Markus Lanz, zufällige Äußerungen irgendwelcher Politiker und RTL2-Asi-TV sind, selbst in der Negation möchte ich damit nichts zu tun haben, also auch nicht, indem ich die Themen offensiv kritisiere, was ich lange getan habe. Es geht mir nicht in den Kopf, wie Anfang 2014 für die angebliche Info- und Internet-Elite des Landes die wichtigsten Themen irgendwelcher Promi-Klatsch oder Empör-Petitionen sein können. Wenn ich mir dann noch angucke, wie bizarr auch auf diesem Blog die Zahlen in den Himmel schießen, sobald ich den Shitstorm-Müll thematisch anfasse und es mit den armseligen hundertdreißig Klicks vergleiche, die von der Plattform kommen, wenn ich über Literatur oder Wissenschaft schreibe, dann stelle ich immer wieder wie ein naives Kind, das die Wahrheit über den Weihnachtsmann erfährt, fest, dass auf Twitter wohl einfach nicht „meine Leute“ sind. Zumal das Paralleluniversum Twitter auch sehr gerne unter sich bleibt und die dortigen Medien-Diskurse sich zuweilen stark an eine Art von Realitätsverlust annähern.

Die Enttäuschung rührt wohl vorwiegend daher, dass ich von Twitter über einen sehr langen Zeitraum „mehr“ erwartet und eine sehr hohe Meinung von dem Medium hatte, die ich langsam mal für mich selbst revidieren muss. Es ist mein Fehler und mein Problem.

Facebook

Im Gegensatz dazu: Der große Friede, den ich mit Facebook geschlossen habe, hält an. Ich habe mich mit Facebook arrangiert, auch wenn ich es in der letzten Zeit immer weniger nutze. Ich kommuniziere auf dem Netzwerk mit Freunden, lerne Menschen kennen, verlinke ab und zu meinen Kram. Es ist ein Adressbuch und Kommunikationskanal für mich geworden. Das Einstellen eigener Dinge ist wichtig, aber vor allem halte ich auf Facebook im nichtöffentlichen Teil Kontakt mit alten Freunden (wer jetzt denkt: „Mit mir aber nicht“: Melde Du Dich doch mal wieder, ey! Ich würde mich ehrlich freuen!) und verfolge gezielt, was diese so umtreibt. In Diskussionen unter irgendwelchen Postings, die morgen schon keiner mehr liest und die auch meist gar nicht öffentlich abrufbar sind, mische ich mich nicht mehr groß ein, das erscheint mir sinnlos, genau so, wie es mir sinnlos scheint, den Müllhaufen des Stream nach interessanten Dingen zu durchwühlen.

Lustigerweise ist gerade der trashige, sinnleere Aspekt an Facebook der Grund, warum ich es so leichtfertig benutzen kann. Ich habe keine Bindung mehr daran, kann keine Relevanz in den Dingen erkennen, die dort passieren und nutze daher einfach pragmatisch die Funktionen, die mir auf irgendeine Weise nützlich sind. Das Medium an sich ist mir egal geworden.

Weitere Plattformen und Tools

Tumblr: Weiterhin als Online-Notizbuch in meinem Mix, auch wenn ich es derzeit etwas weniger nutze. Ich wünschte, man könnte die Funktion abstellen, dass einem auf Tumblr überhaupt irgendwelche Menschen folgen können, eigentlich würde ich es gerne als komplett anonymen Netz-Schreibort ohne Mitleser benutzen.

Flickr: Kaum Nutzung. Ich denke darüber nach, meinen Account dort komplett stillzulegen. Aber vielleicht werde ich dort wieder aktiver, wenn ich die Nutzung der anderen Plattformen weiterhin so reduziere, wie ich es zur Zeit tue. Dennoch ist und bleibt derzeit vor allem Behance die Portfolio-Seite meiner Wahl.

Quote.fm:
Mit Quote.fm ist leider das passiert, was sich schon seit Monaten angekündigt hat: Die letzten User sind in den Tiefschlaf gefallen, die Seite vegetiert nur noch als Zombie vor sich hin. Ich habe noch meine Daten exportiert und warte mal ab, ob sich da jemals wieder etwas tun wird, woran ich allerdings nicht glaube. Mein Nachruf ist schon draußen.

Evernote: Kein Social Network, aber ein neues Tool auf meiner Liste. Ich nutze es, um mir Links, Bilder und Netzfundstücke dauerhaft abzuspeichern, im Grunde also so ähnlich, wie ich vorher Quote.fm genutzt habe, nur ohne Community.

iTunes U, Tuts Plus und Coursera: Sehr gerne und sehr oft. Ich suche auch aktiv nach weiteren Portalen dieser Art. Überhaupt sind Social Learning-Plattformen in meiner Welt das große Ding.

Last.fm: Zur Zeit wieder sehr gerne und stark genutzt. Der Vorteil bei Last.fm ist, dass man aktiv eigentlich gar nichts tun muss, um es zu nutzen (nur Musik konsumieren und diese automatisch weiterleiten lassen), dass man aber auf der Seite auch sehr viel aktiv tun kann, wenn man denn will. Für mich immer noch eine der besten Musik-Plattformen im Netz, auch wenn ich nicht glaube, dass es in dieser Form eine große Zukunft außerhalb einer Nischenzielgruppe von Hardcore-Musiknerds hat (Spotify hat die Musik selbst im Angebot, deswegen gehen die Menschen zu Spotify).

Skype, Whatsapp, iMessage: Ja. Kommunikation halt, muss man nicht viel drüber sagen. Vorwiegend, weil es Leute nutzen, mit denen ich in Kontakt bin.

Foursquare: Ich habe Foursquare inzwischen komplett von meinem Smartphone verbannt und kann nicht mehr nachvollziehen, warum ich diesen Dienst jemals genutzt habe. Es ist nicht nur so, dass er so gut wie gar keinen praktischen Nutzen hat, sondern er erscheint mir im Lichte der ganzen Überwachungsenthüllungen des letzten Jahres auch noch zutiefst gruselig. Man nutzt Foursquare wohl nur, wenn man in zu tief diese seltsamen Social Media-Beraterkreise gerät, in denen das als cool gilt, mitzuteilen, dass man gerade auf irgendeinem BarCamp ist.

Reddit: Hatte ich letztes Mal als den Newcomer auf meiner Liste vorgestellt, meine Nutzung ist aber schon wieder deutlich weniger geworden. Auf Reddit gibt es sehr viele Dinge zu entdecken, aber die Themen wiederholen sich doch recht schnell wieder. Ein paar Themen-Kanäle (wissenschaftlicher Kram) lese ich allerdings sehr gerne.

Google Plus, Instagram und Pinterest: Wenn die Hölle zufriert.

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