Echt gute Twitter-Tipps für Anfänger

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1. Nur Shitstorm-Teilnehmer, Internet-Berater, Neulinge, Piraten und andere #Spinner benutzen Hashtags

Schlechte Twitterer kann man meilenweit gegen den Wind an einer Sache erkennen: Sie benutzen inflationär, ständig und andauernd (Redundanz-Reihung) Hashtags. Leiten wir das mal von der anderen Seite her: Wer benutzt diese Dinger und wofür? Hashtags werden benutzt für fast immer unlustig-infantile Mems („Deine Mutter-Filme“), für Shitstorms und Slacktivism (damit auch jeder die Empörung mitbekommt und schön gesammelt die Kommentare lesen kann), für kindergartige Streitereien in der Piratenpartei (#BuVoGate #WlanKabelGate #OnlineDemoAufDemMumbleServerGate) und von Neulingen, die es noch nicht verstanden haben, #an #beliebigen #Worten. Zu keiner dieser Gruppen willst Du gehören. Falls Du das doch willst, dann solltest Du jetzt aufhören, diesen Artikel zu lesen, er kann Dir vermutlich auch nicht mehr helfen.

Die einzigen zwei Gründe, aus denen man Hashtags (selten!) benutzen kann, sind: 1. Du besuchst eine Veranstaltung, die einen Hashtag hat und willst unbedingt allen mitteilen, dass Du auf dieser Veranstaltung bist. Das kann man machen, muss man aber nicht. Eigentlich nervt es eher die Leute, die nicht auf der Veranstaltung sind, also meist mehr als 99% Deiner Follower. 2. Ironisch. Ein ironischer Hashtags wie z.B. ein #Philosophie hinter einem absichtlich naiven Tweet ist ab und zu ganz lustig und zeigt, dass Du verstanden hast, wie sinnlos Hashtags meistens #sind.

2. Twitter ist kein Chat

So ziemlich jeder wird Dir verklickern wollen, dass Du mit Leuten (vor allem mit sogenannten „Influencern“, also Leuten, bei denen die Followerzahlen hoch sind) „interagieren“ und ganz viele Replies schreiben solltest, um ganz wichtig und einflussreich in Debatten und „im Diskurs“ zu werden. Lass den Quatsch lieber. Ich verrate Dir zwei #Geheimnisse: 1. Viele Twitterer wissen schon, was und warum sie etwas twittern, denn sie machen sich Gedanken darüber. 2. Die meisten dieser Leute haben keinen Bock auf Deine neunmalklugen Replies.

Kennst Du das, wenn unter einem Artikel tausend Kommentare von Leuten stehen, bei denen man genau merkt, dass sie den ganzen Tag nichts besseres zu tun haben, als Artikel im Internet zu kommentieren und alles besser zu wissen? Exakt so wirkt Dein Reply in den meisten Fällen in Bezug auf den Tweet, unter den Du ihn klebst (er steht tatsächlich auf der Tweet-Seite für immer direkt darunter und nervt auch dann noch weiter, wenn Du Twitter schon längst wieder an den Nagel gehängt hast, weil keiner Interesse an Deinen Kommentaren hatte).

Wesentlich besser ist es, ab und zu mal eine Reply zu schreiben, wenn Dir ein Thema oder eine Person wirklich wichtig ist oder wenn Du selbst angesprochen wurdest. Noch besser ist es, einfach selbst über die Themen Tweets zu schreiben, die Dir am Herzen liegen. Wenn Du dagegen zu denen gehörst, die Twitter als Dauerchat benutzen und deren eigene Timeline (deine Seite) nur aus @-Replies und so wenigen eigenständigen Inhalten besteht, dass man sie mit der Lupe suchen muss, dann wundere Dich bitte nicht, wenn Dir keiner folgt. Fremde Chats interessieren die Menschen eher weniger1.

3. Man sieht, wem und wie vielen Menschen Du folgst

Du willst viele Follower und Leser, weil Du (noch) nicht verstanden hast, dass es auf Twitter zunächst darum geht, sich selbst auszudrücken und erst in zweiter Linie darum, auf einer Bühne rumzuhampeln. Deswegen folgst Du wahllos mehreren hundert bis tausend Leuten und hoffst, dass sie Dir zurückfolgen. Schon klar.

Das Ding ist: Ich kann sehen, wem und wie vielen Leuten Du folgst und jeder, der auf Twitter mit mehr als zwei Gehirnzellen unterwegs ist, kann das auch sehen und einordnen. Und wenn ich sehe, dass du tausend Leuten folgst, denke ich sicher nicht: „Wow, der hat mich exklusiv dazu auserkoren, einer unter tausend anderen Followings zu sein, da fühle ich mich so richtig wertgeschätzt“, sondern ich denke in den meisten Fällen: „Der Typ will einen Refollow und danach höre ich nie wieder von ihm, weil er bei tausend Leuten gar nicht mehr weiß, wem er eigentlich folgt oder auch nur einen Bruchteil der Tweets mitlesen kann“.

Vielleicht kriegst Du auf diese Weise sogar viele Follower, die genau so denken wie Du. Und genau wie Du ihre Tweets nicht liest, lesen sie Deine Tweets nicht, weil man ab ungefähr 500 Leuten ziemlich rapide den Überblick verliert, wem man da eigentlich folgt. Da bist Du also jetzt, hast also hunderte Follower, von denen keiner Deine Sachen liest (was Du daran merkst, dass Du nie Favs oder Retweets bekommst) und von denen keiner Deine Links klickt und hältst Monologe im Niemandsland. War es das, was Du auf Twitter gesucht hast?2

Such Dir ein paar Leute, denen Du wirklich gerne zuliest. Folge ihnen, auch wenn sie nicht gleich zurückfolgen, und finde raus, wer sie sind und was sie schreiben. Hundert Menschen sind ein ganz guter Einstieg und Du wirst einige Zeit brauchen, um diese Leute kennenzulernen. Nimm sie Dir, Twitter ist nicht nur kein Chat, es ist auch kein Wettrennen um Follower und es braucht relativ viel Zeit und Mühe, bis man die Faszination daran versteht.

4. Die Anzahl Deiner Tweets und der Zeitpunkt der Veröffentlichung sind völlig egal

Viele Leute werden Dir erklären wollen, wie oft und wann Du twittern sollst. Die Wahrheit ist: Das ist alles Bullshit. Es ist völlig egal, ob Du vier Tweets pro Woche nach Mitternacht veröffentlichst oder zwanzig in absolut regelmäßigen Abständen pro Tag, solange Du eine wichtige Faustegel halbwegs befolgst: Schreib, wenn Du etwas zu sagen hast. Wenn Du nie das Gefühl hast, dass Du wirklich etwas zu sagen hast und nur gerne irgendwas rumlaberst, dann bin ich mir nicht sicher, ob Twitter der richtige Kanal für Dich ist. Solche Leute haben wir dort jedenfalls schon mehr als genug.

Schreib nicht, weil Dir langweilig ist, weil Du Dich gerade mal über irgendetwas empören willst, das Du irgendwo gehört oder gelesen hast (das ist ein mir weiterhin völlig unbegreifliches Konzept), weil Du über „die da oben“ meckern willst und weil Du sonst nichts besseres zu tun hast. Wer Twitter aus diesen Gründen benutzt, wird sowieso selten ein guter Twitterer. Die besten Tweets sind Gedanken, die entstehen, wenn man etwas völlig anderes tut und denkt als „im Internet rumhängen“.

5. Jeder hat die Themen verdient, über die er schreibt

Du twitterst den ganzen Tag über Social Media-Marketing-Müll? Glückwunsch, Du bist jetzt ein trashiger Social Media-„Experte“, der sich einbildet, dass er den Leuten in seiner Filterblase später mal „Beratung“ andrehen kann, wenn er genug „Reputation“ gesammet hat. Dummerweise sind die aber alle selbst Social Media-„Experten“, denn mit dem Thema lockt man niemand anderen an. Alternativ kannst Du natürlich auch jede heiße Newsmeldung und das Fernsehprogramm live kommentieren (und angesagter Hipster-Twitterer werden, der den echten Journalisten in 140 Zeichen zeigen will, wo der Hammer hängt, freilich ohne die tägliche Schreib- und Recherchearbeit zu investieren) oder Deinen inneren Emo rauslassen, Wort wie „Liebe“, „Herz“ und „Schmerz“ inflationär in schlechten Wortspielchen verwenden, lange und pathetische Blogpost über die psychischen Dellen Deiner verlorenen Seele verfassen und ganz viele Herzchen-Replies einheimsen.

Besser ist: Lass diesen ganzen reißerischen Kram weg. Versuch nicht permanent cool, witzig, klugscheißerisch, pathetisch oder vorlaut zu sein, auch wenn das die Anderen so machen. Schreib über das Zeug, das Dich wirklich interessiert, aber mach nicht in jedem zweiten Tweet Eigenwerbung für Deine Projekte. Teile (kluge) Artikel, Gedanken, eigene Photos und ähnliches und bleib bei Deinen Themen. Literatische Tweets kann man schreiben (hier sind Beispiele für ein paar sehr gute Tweets aus dieser Kategorie), aber in dem Fall wäre es zumindest nicht verkehrt, wenn Du auch ein bisschen schreiben könntest. Reflektiertes Twittern macht Dich auf lange Sicht jedenfalls immer lesenswerter als die hysterisch-rumpolternden Spackos, deren Tweets bei Spiegel Online unter „So empört sich das Netz über [Thema]“ zitiert werden. Versprochen.

6. Twitter zu erklären ist der größte Scheiß überhaupt

Vergiss diesen Artikel, vergiss einfach jeden Artikel, der Dir Twitter erklären will. Die Leute, die sich K O M P L E T T selbst ausdenken, was sie auf dieser Plattform tun und was nicht, sind in den meisten Fällen die wirklich spannenden Twitterer.

1 Es sei denn, auf Deinem Profilbild ist eine attraktive Blondine mit riesigen Brüsten zu sehen, die Du selbst bist, aber dann kannst Du sowieso machen, was immer Du willst.
2 Für mich ist es das manchmal tatsächlich, aber das ist ein ganz anderes Thema.

4 Gedanken zu „Echt gute Twitter-Tipps für Anfänger“

  1. Kann man so machen, muss man aber nicht. Vor allem das mit den Hashtags kann ich nicht bestätigen. Ich kenne auch viele Leute, die oft Hashtags nutzen und damit ziemlich erfolgreich twittern.

    Woher weißt du denn, was „richtiges“ Twittern ist und wie man es am Besten machen?

  2. Zustimmung zu allem – in einfacheren Worten: Nicht den gleichen Mist nachmachen, den alle machen, das bringt nix, sondern einfach nur gute Tweets schreiben…

Ach komm, erzähl mir nix (oder doch)

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