Gute Dinge von Menschen aus dem Internet (II)

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Dinge scheiße finden kann jeder. Aber nicht nur das: Es tut auch jeder. Ununterbrochen und auf allen Kanälen. Ich will Dinge wieder gut finden. Die Artikel-Serie „Gute Dinge von Menschen aus dem Internet“ handelt von den Dingen, die ich gut finde. Vorherige Artikel aus der Reihe: Eins.

Alexandra Tobor – „In trockenen Büchern“ (Podcast-Reihe)

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Der Podcast beruhe auf dem Konzept, „Alltagswissen mit Sachbuchwissen abzugleichen“, sagt @silenttiffy alias Alexandra Tobor in einer der späteren Folgen und das umreißt ganz gut, worum es bei „In trockenen Büchern“ geht. Die jeweils etwa halbstündigen Sendungen, die auf der zugehörigen Webseite kostenlos herunterladbar sind, sind allerdings noch ein bisschen mehr.

Im krassen Gegensatz zu den im Übermaß existierenden Reihen an Laberpodcasts mit der unausgesprochenen Direktive „wir setzen uns einfach mal sieben Stunden vor dieses Mikrophon und reden völlig planlos drauf los, während wir Bier trinken“ macht sich Alexandra Tobor im Vorfeld jeder Folge sehr deutlich erkennbar Gedanken darüber, was sie in der jeweiligen Folge vermitteln will, die sich jeweils um ein „trockenes Buch“ dreht.

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Die Auswahl der Bücher ist dabei von außen betrachtet erratisch, aber genau das macht auch den Charme des Formats aus: Vorgestellt werden uralte wie neue Sachbücher, die zumeist kulturwissenschaftlich oder soziologisch irgendein Thema beleuchten. Wir finden Bücher über Krähen, das Konzept „Geschmack“, das Selbstbild des Mannes in Polen und viel mehr.

Der Podcast „In trockenen Büchern“ ist eine in jeder Ausgabe sehr einfach konsumierbare, liebevoll daherzuckelnde, bunte Wundertüte für Menschen, die gerne über alle möglichen Themen etwas tiefer nachdenken, also schlicht alle Personen mit einem funktionierenden Gehirn. Außerdem macht er trotz der durch den Untertitel „Unlesbares hörbar gemacht“ immer latent mitschwingenden Behauptung von der Sperrigkeit der besprochenen Werke große Lust darauf, selbst alles zu lesen, was dort vorgestellt wird. Sehr empfehlenswert.

Huck Haas – „Stijlroyal Magazin“ (Magazin)

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Wenn man ganz naiv auflistet, was das Stijlroyal Magazin ausmacht, diese Liste jemandem vorträgt, der noch nie eine Ausgabe davon in den Händen hielt und anschließend erklärt, dass das echt super sei, dann könnte die Person einem relativ nachvollziehbar eine leichte psychische Entrücktheit attestieren.

Das Stijlroyal Magazin ist: Angeblich ein Heimatmagazin aus Wiesbaden, auf dessen Titelbildern aber oft Wurstprodukte zu sehen sind, es ist riesige Typographie (gerne auch mal in Fraktur) über Fotostrecken, auf denen schon wieder Wurstprodukte zu sehen sind oder Schnappschüsse von alten Leuten in ranzigen Kneipen, enthalten sind Leserfotos zu abstrusen Themen wie Tomatensuppe und lange oder auch mal kurze literarische Texte von Menschen aus dem Internet, von denen bis auf ihre zwei Handvoll Twitterfollower noch nie jemand gehört hat.

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Trotzdem oder gerade deswegen funktioniert das Stijlroyal Magazin unheimlich gut. Der Mensch hinter dem „deswegen“ ist der Macher @huckhaas, ohne den sogar das exakt gleiche Konzept auf gar keinen Fall funktionieren würde, denn der Huck Haas versteht einige Dinge ziemlich gut, die nur sehr wenige Leute verstehen. Der Huck Haas versteht was von Design, von Absurdität, von Kunst und von Literatur. Gleichzeitig.

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Im Gegensatz zu den am Bahnhofskiosk erhältlichen Magazinen will das Stijlroyal Magazin nix von Dir, aber wenn Du es kennst, dann willst Du es, weil man es nicht nur einfach gelangweilt durchblättert und dann in die Papiertonne wirft, sondern am Ende ins Bücherregal stellt. Das Stijlroyal Magazin ist vielleicht eines der besten Dinge seit der Erfindung von geschnitten Brot. Mindestens seit Wurst.

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