Anderthemen – Texte & Diskurse (X)

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Unregelmäßige und mit meiner völlig belanglosen Meinung garnierte Leseempfehlungen aus den Weiten des Netzes. Wer diese Texte nicht gelesen hat, der war bei repräsentativen Umfragen auch der Meinung, dass Lesen eh nur was für Idioten ist, die zu viel Zeit haben!! LOL!

1. „Steve Albini on the surprisingly sturdy state of the music industry“The Guardian

Auch wenn ich mit seinen Schlussfolgerungen nicht einhundert Prozent übereinstimmen kann, schreibt der amerikanische Musiker und Produzent Steve Albini in diesem Text die beste Zustandsanalyse der Musikindustrie, die ich jemals gelesen habe. In dem sehr langen Text, der den Bogen von den Anfängen über die 70er, 80er, 90er und bis hin zum Internet-Zeitalter spannt, fokussiert sich Steve Albini vor allem auf das sich ständig wandelnde Dreiecksverhältnis Künstler – Mittelsmann – Fan und kommt zu verschiedenen, sehr diskussionswürdigen Ergebnissen. Auch die partiell sehr guten Kommentare, die auf einige Probleme in der Argumentation des Textes hinweisen, kann man mitlesen.

2. „Im Gespräch mit Ann-Christine Jansson“Kwerfeldein Fotografie Magazin

Mein Kwerfeldein-Kollege Robert Herrmann interviewt die schwedische Photojournalistin Ann-Christine Jansson über ihre Arbeit als Bildreporterin im Vorwende-Deutschland. In dem recht tiefgehenden Interview kommen unter anderem recht ausführlich die damals verwendete Technik, die journalistischen Arbeitsbedingungen und die Spannungen zwischen West und Ost zur Sprache. Außerdem gibt es natürlich auch viele der Bilder von Ann-Christine Jansson zu sehen.

3. „The Self Is Moral“Aeon Magazine

Einer der inspirierendsten Texte, die ich in den letzten Wochen im Internet gefunden habe, der sich mit identitätstheoretischen Fragen beschäftigt und die sehr überzeugend hergeleitete These aufstellt, dass der moralische Charakter eines Menschen viel deutlicher dessen Identität prägt als die die persönliche Geschichte, die Erinnerungen und die Erlebnisse. Auch bei diesem Artikel sind die Kommentare ziemlich lesenswert, was mich wieder wieder einmal in der Beobachtung bestärkt, dass jeder Artikel im Netz die Kommentare bekommt, die er halt verdient hat. Unter sachlich vorgetragenen oder wissenschaftlichen Artikeln, die in entsprechenden Publikationen erscheinen, habe ich jedenfalls im Gegensatz zu politischen Meinungspamphleten noch nie einen pöbelnden Mob entdeckt.

4. „Humans are (Blank)-ogamous“Patrick F. Clarkin

Der biologische Anthropologe Patrick Clarkin von der University of Massachusetts wirft in einer Artikelreihe, die eigentlich gar nicht mehr den Titel „Artikelreihe“ verdient, sondern eher „wissenschaftliche Arbeit in Blogform“ genannt werden muss, einen Blick auf das Sexualverhalten des Menschen, steigt dabei tief in die Geschichte der Menschheit, ihrer Biologie und Kultur ein und versucht herauszufinden, ob der Mensch jetzt eigentlich promiskutiv oder doch monogam veranlagt ist. Verlinkt habe ich hier den Einstiegsartikel in die 18-teilige Artikelreihe, deren einzelnen Kapitel unten im Artikel zu finden sind.

5. „Die Boten des Neuen“TAZ

Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, wann ich zuletzt einen wirklich verlinkenswerten Text in der TAZ gelesen habe, aber das ist einer (aber vielleicht auch nur deswegen, weil in der öffentlichen Meinung so wenig grundsätzlich über Literatur diskutiert wird): Dirk Knipphals geht in einigen Absätzen der Frage nach, wie es um die literarische Form des Romans steht. Aufgehangen an einer recht pessimistischen (und dennoch ebenfalls lesenswerten) Zustandsanalyse von Ingo Meyer in der Novemberausgabe des Merkur kommt er zu dem Schluss, dass es gar nicht so schlecht bestellt ist um die „Großgattung“ des Romans und endet schließlich bei einem Postulat für die Öffnung des Begriffs. Die Wahrheit liegt vermutlich irgendwo in der Mitte zwischen den beiden Positionen.

Ach komm, erzähl mir nix (oder doch)

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