Komplett-Review: Alle Alben von Emperor

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In der Reihe “Komplett-Review” rezensiere ich die vollständige Discographie von Bands oder Solokünstlern in chronologischer Reihenfolge. Die Bewertung erfolgt auf einer Skala bis 10 Punkten. In der heutigen Folge: Die Geschichte einer Band aus Norwegen, die ein neues Musikgenre mitbegründet und über den Verlauf von zehn Jahren permanent weiterentwickelt.

In The Nightside Eclipse (1994)

In The Nightside EclipseLiest man in einer beliebigen Publikation einen Artikel über die Anfänge des Black Metal, dann fallen fast immer Namen wie Venom, Celtic Frost oder Bathory. Tatsächlich sind jene Bands mit der Geschichte des Black Metal eng verwoben, es handelt sich dabei allerdings mehr die Großväter oder die Paten des Genres, um Metal-Acts, die in ihrer aktiven Zeit mit unterschiedlichen, eher ungewöhnlichen Stil-Elementen und Bühnendarstellungen experimentierten und dadurch den ersten Funken überspringen ließen auf einen zunächst noch recht überschaubaren Kreis junger Leute aus Norwegen.

Die aus Telemark stammenden Emperor gehörten zu diesem Kreis, der Ende der 80er / Anfang der 90er Jahre in Skandinavien ein neues Musikgenre erfand, das sich in den nächsten zwanzig Jahren sehr langsam und in kleineren Wellen, aber dennoch sehr konstant über die ganze Welt verbreitete. Zusammen mit Mayhem, Burzum, Immortal und Darkthrone waren Emperor eine der ersten Bands, die eine mit klassischem Metal nur noch entfernt verwandte Variante harter Gitarrenmusik spielten, die unter dem Namen “Black Metal” bekannt wurde. Diese Bands stimmen ihre Gitarren nicht mehr runter, wie es der rund fünf bis zehn Jahre vorher entstandene Death Metal tut, der Bass passt sich den schnellen, oft stark atonalen und hypnotischen Tremolo-Riffs der Gitarre an, der Schlagzeuger spielt an der Grenze seiner Leistungsfähigkeit, die Stimme ist meist mehr perkussives Instrument oder Geräusch als Melodieträger. Black Metal ist neben der Musik ein ideologisch aufgeladener, oft mit Naturmystik und -romantik überfrachteter, misanthropischer Gegenentwurf zu fast all der Musik, die sonst existiert. Klassische Song-Strukturen mit Strophe-Refrain-Strophe und Melodien werden komplett aufgelöst zugunsten sich wiederholender Gitarren-Themata, die Song kratzen nicht selten an der zehn Minuten Marke. Vor allem war es den Musikern damals aber noch sehr ernst mit ihrer Anti-Alles-Ideologie und dem Gegenentwurf. Sie verzichten bewusst auf einen gut klingenden Sound und kostspielige Produktionen, auf der Bühne malten sie sich in der Traditon von King Diamond die Gesichter in Schwarz und Weiss an und inzenierten theatralische, dionysische Rituale. Black Metal war in seinem Entwurf eine gleichermaßen elitäre und extreme Musik, die nur einen kleinen Zirkel von Menschen erreichen sollte.

Das erste Emperor-Album “In The Nightside Eclipse” gilt heute als ein früher Meilenstein des Genres, ein Klassiker. Emperor, getrieben vor allem von den beiden jungen Gitarristen Vegard Sverre „Ihsahn“ Tveitan und Tomas „Samoth“ Haugen hatten schon ein vielbeachtetes Demo („Wrath Of The Tyrant“) aufgenommen, sie waren nicht beeinflusst vom Punk wie Darkthrone, sie agierten in ihrer Musik nicht so chaotisch wie Mayhem und ihre Songs waren nicht so repetetiv wie bei Burzum. Vor allem Leadgitarrist Ihsahn war schon in jungen Jahren musikalisch deutlich versierter als der Großteil seiner Kollegen, er komponierte seine Songs und steckte deutlich mehr Mühe in komplexere Arrangements als die anderen es taten. Mit “In The Nightside Eclipse” nahmen Emperor ein Album auf, das heute zu den einflussreichsten Alben des Genres zählt. Ganze Heerscharen an Bands orienterten sich später an der von dieser Platte geprägten Spielweise.

Aus der Perspektive 2014 wirkt “In The Nightside Eclipse” trotz seiner unbestreitbaren Relevanz recht naiv, undergroundig und stellenweise auch etwas albern. Man kennt den Sound dieser Gitarrenläufe inzwischen in sehr vielen, sehr viel besser aufbereiteten Variationen, weil er sich so stark verbreitet hat, hier wirkt das, was als Black Metal sehr viel größeres Publikum erreichen wird, noch sehr unentwickelt und unsicher, die Keyboards und die Stimme sind viel zu weit nach oben gemischt. Trotzdem ist auf “In The Nightside Eclipse” schon alles vorhanden, was Emperor im Lauf ihrer Karriere ausmachen wird: Die schnellen Riffs, die atonalen Gitarrenläufe, diverse Synths und Keyboards, die dominanten Vocals und ein paar richtig gute Songs, die bis heute im Live-Repertoire der Band erhalten blieben. Lässt man sich auf „In The Nightside Eclipse“ ein und schafft es, durch die Rumpelproduktion hindurch auf die Konstruktion der Songs zu hören, dann merkt man schnell, dass man es hier mit einem nicht nur musikgeschichtlich sehr spannenden Stück Musik zu tun hat. (7/10)

Anthems to the Welkin At Dusk (1997)

Anthems To The Welkin At DuskEs hat ganze drei Jahre bis zum zweiten Album gedauert und das hat Gründe, aber 1997 machten Emperor zum ersten Mal wirklich ernst mit ihrer musikalischen Vision: Aus den wilden Jugendlichen mit Anti-Haltung war (auch im Zuge des großen Erfolges des Erstlings) deutlich hörbar eine Band aus professionell agierenden Musikern geworden, die ungewöhnliche, innovative und extreme Musik spielen wollte. Den unausgesprochenen Anspruch, zu den progressiven Anführern der inzwischen schon deutlich gewachsenen Black Metal-Szene zu gehören, hatte die Band derweilen nicht aufgegeben.

Man könnte fast behaupten, dass “Anthems to the Welkin At Dusk” schon wieder ein neues Subgenre begründet, das später ein eher ungeliebtes Stiefkind der Traditionalisten werden sollte, auch wenn diese Elemente schon auf dem ersten Emperor-Album vorhanden waren: Symphonic Black Metal, die Variante, die sehr deutlich Keyboards und klassische Instrumente in den Gitarrensound integriert, eine Spielart, die sich soweit entwickelt, dass eine andere, von der Szene wegen ihrer kommerzielleren Ausrichtung eher verhasste Band namens Dimmu Borgir im Jahre 2012 sogar mit dem Prague Philarmonic Orchestra ein Album aufnimmt. Zu dem Zeitpunk ist Black Metal zumindest in Skandinavien im Mainstream angekommen, sogar die Ministerpräsidentin Norwegens spricht dem zum musikalischen Exportschlager des Landes avancierten Genre in einem Interview ihren Respekt aus.

1997 sah es hingegen gar nicht danach aus, als würde die Musikrichtung irgendwo anders ankommen als in der öffentlichen Ächtung: Black Metal hatte trotz der wachsenden Zahl an Bands seinen ersten Zenith überschritten und stand zudem massiv in der Kritik der Öffentlichkeit und unter Beobachtung der Boulevardmedien. Das Auftreten und einige durchaus heftige Straftaten der Protagonisten der Szene und ihres Umfelds (so kam es unter anderem zu zwei spektakulären Mordfällen und mehreren Kirchenbränden, da das Christentum erklärtes Feinbild der heidnisch orientierten Musiker war) stellte Black Metal unter den Generalverdacht, weniger eine Musikrichtung als eine Art satanistischer Terrorzirkel zu sein. Zumindest die Sache mit der musikalischen Stagnation wollten und konnten Emperor ändern: “Anthems to the Welking At Dusk” wurde fast direkt nach seinem Erscheinen durch die Kritik als das „Master Of Puppets“ des Black Metal hochgelobt, ein Quantensprung. Und das ist es auch. Die Platte ist über weite Teile deutlich überladen, aber sie ist auch vollgestopft mit endlosen musikalischen Sketchen und Ideen, sie enthält Blasinstrumente, Folk-Intros, cleanen Gesang und bleibt trotz all der genrefremden Elemente unmissverständlich eine schnelle, brutale Black Metal-Platte. Die Musiker, die an diesem Album beteiligt sind, sind mit dieser Veröffentlichung in jeder Hinsicht über sich hinausgewachsen, sie sind keine talentierten, rebellierenden Jugendlichen mehr, sondern sehr ernsthafte Musiker, die Avantgarde sein und das von ihnen miterfundene und im Underground populär gewordene Genre weiterentwickeln. Vielleicht ist genau das der sekundäre wichtige Verdienst von „Anthems To The Welking At Dusk“: Das Genre geöffnet zu haben für neue musikalische Einflüsse. Der primäre Verdienst ist es, ein außergewöhnlich gutes Stück extremer Metal-Musik zu sein. (9/10)

IX Equilibrium (1999)

IX EquilibriumBlack Metal war 1999 zumindest unter den Metal-Fans zu einem breit akzeptierten, relativ alltäglichen Genre geworden. Die Skandale um die Szene waren größtenteils in die Vergangenheit gerückt, auch wenn der ein oder andere misanthrope Psychopath durchaus noch einen Schock-Artikel im Zusammenhang mit dem Genre-Namen der Presse landen konnte und das als gute PR verstand. Bei den Bands rückte spätestens Ende der 90er Jahre die Professionalisierung der Musik in den Vordergrund, allein über das Image und mit düster klingenden Platten verkaufte sich Black Metal nicht mehr, dafür gab es, auch Dank Emperor, inzwischen zu viele, sehr diverse und handwerklich sehr gute Bands, die sich unter dem Label versammelten. Gleichzeitig entstanden in der Szene die ersten Diskussionen darüber, was eigentlich „echter“ Black Metal ist, wie weit sich Bands von dem ursprünglichen Rezept entfernen dürfen, um noch Black Metal zu sein. Teile der Fanbasis und Musikjournalisten unterschieden schon „True Black Metal“, „Symphonic Black Metal“ und andere Sub-Genres, je nachdem, ob und welche anderen musikalischen Einflüsse eine Band verarbeitete und wie nah sie an den Originalen blieb.

Zu diesem eher ungünstigen Zeitpunkt erschien mit „IX Equilibrium“ das gleichermassen unbeliebteste wie auch unterbewerteste Emperor-Album. Die Black Metal-Puristen mochten den Death Metal-Einfluss nicht, der geistig offeneren Fraktion war es auf den ersten Blick nicht progressiv und innovativ genug (ein Ruf, den Emperor seit „Anthems To The Welkin At Dusk“ hatten), der Großteil der Zuhörer hatte von Emperor nichts weniger als den dritten Klassiker in der Reihe erwartet, der das Album leider nicht ganz ist. Und trotzdem wurde es eine sehr faszinierende, in ihren fast liebevoll zu nennenden, eher subtilen Details bemerkenswerte Platte, die auch heute noch jeden Hördurchlauf wert ist.

Das Album geht in verschiedene Richtungen gleichzeitig: Einerseits schreitet die Band zurück zu den Wurzeln und konzentriert sich auf Bass, Gitarre, Schlagzeug und Stimme, vor allem sollte es ein Album mit Fokus auf die Gitarren werden, andererseits aber wollten Emperor dennoch ihren Sound und das Genre weiterentwickeln, sie waren keine Band, die dasselbe Album zweimal schrieben. Weiterentwicklung heißt in diesem Fall: Die Produktion ist sehr hochwertig, Einflüsse aus anderen Metalrichtungen (vor allem dem Death Metal) werden an Bord geholt. Emperor zeigten sich wie auf jeden Album interessiert an ungewöhnlichen Ideen und Konzepten.

Auf eine bestimmte Lesart könnte man “IX Equilibrium” sogar als das progressivste Emperor-Album überhaupt interpretieren, auch wenn es oft als das Gegenteil empfunden wurde: Es verlässst oft den Soundkontext, den Emperor (mit-)erfunden haben und in dem sie sich bisher heimisch befanden, es beinhaltet viele gesungene Passagen, eine fantastische Produktion und sehr viele Details, die man erst im Laufe der Zeit und bei wiederholtem Konsum der Songs heraushört. Von jeder anderen Band kommend, wäre diese Platte frenetisch gefeiert worden, aber für Emperor galten zu dem Zeitpunkt schon höhere Maßstäbe. Gescheitert ist “IX Equilibrium” so vor allem an dem Ruf als Legende, den sich Emperor mit den beiden vorherigen Veröffentlichungen aufgebaut hatten und teilweise auch an der Engstirnigkeit der Fans. Musikalisch ist das Album hingegen jeden Hördurchgang wert. (8/10)

Prometheus: The Discipline of Fire & Demise (2001)

PrometheusKnapp zehn Jahre nach dem Start des Genres schien zumindest in Skandinavien musikalisch alles gesagt. Die echten Impulsgeber, die Modernisierer des Black Metal kamen in den folgenden 00er Jahren mehr und mehr aus den USA, aus Frankreich oder auch Osteuropa und sie spielten unterschiedlichste Subgenres, wie etwa Blackganze oder technisch sehr versierten Black Metal und warfen oft auch den ganzen ideologischen Ballast rund um Naturverehrung, Mystik, theatralische Bühnenshows und Heidentum komplett über Bord, um sich ausschließlich der Musik zu widmen. Den Skandinaviern (mit der Ausnahme von ganz wenigen Bands, darunter auch Emperor) haftete mehr und mehr der Ruf an, rückständige und reaktionäre Waldschrate zu sein, die nur noch ihre uralten Ideen recycleten und sich gar nicht entwickeln wollten, ein Vorwurf, der nicht unberechtig war. Es sollte noch einige Zeit dauern, bis es wieder akzeptiert oder sogar cool war, auch Oldschool Black Metal (dem mit dem Ausdruck „True Norwegian Black Metal“ ein eigenes, hippes Label verpasst wurde) zu spielen, die große Zeit der Dominanz der Norweger und Schweden in dem Genre war allerdings Anfang des neuen Jahrtausends unweigerlich vorbei.

Emperors “Prometheus” kann man vielleicht als einen letzten Höhepunkt lesen, als Schlusspunkt unter die Phase, in der Black Metal vor allem ein skandinavisches Phänomen war. Es ist ansonsten ziemlich genau das geworden, als das es von der Band konzeptioniert wurde: Das große, ultimative Versöhnungsalbum zum Abschluss der Bandkarriere. Aus künstlerischer Perspektive muss man Emperor vielleicht vorwerfen, dass sie hier zum ersten Mal einen Schritt zurück gingen in ihrer Entwicklung und damit einen Kompromiss machten. Dass sie diesesmal nicht umfassend radikal Neues versucht, sondern vielmehr relativ genau die Erwartungen erfüllt haben. Als Hörer der Band und Musikfan aber kann man sich keinen würdigeren Abschluss für die Karriere der Band wünschen.

Was die inzwischen sehr deutlich erwachsenen Musiker auf “Prometheus: The Discipline Of Fire & Demise” spielen, ist verdammt nah an der Perfektion, vielleicht ist es gar etwas zu perfekt: Flirrender, riffgetriebener, progressiver und sehr gitarrenlastiger Black Metal a la Emperor findet hier in neun Songs seine Vollendung. Das Album wirkt fast so, als hätten sie ein Best Of zusammengestellt, das allerdings nur neue, sehr komplexe Songs statt alte Klassiker enthält. Die Instrumentierung ist traditionell, Tasteninstrumente und ähnliches finden sich nur höchst spärlich. Bei der Produktion gibt es kein Zurück: Keinerlei Rumpelsounds, die Spielfehler übertünchen, sondern ein glasklarer und druckvoller Sound zeichnen das letzte Album einer Ausnahmeband aus, die sich in vier Alben den Respekt der kompletten Metalszene und nicht nur ihrer kleinen Nische erspielt hat.

Die beiden musikalischen Köpfe Ihsahn und Samoth gingen anschließend getrennte Wege und keiner von beiden hatte jemals wieder so viel Erfolg wie zu Emperor-Zeiten, aber sie wirken noch heute sehr zufrieden damit und mit sich. Ihsahn nimmt weiterhin avantgardistische Alben auf, die noch immer den Black Metal weiterentwickeln wollen (so kreuzt er ihn etwa mit Jazz und bringt einen Saxophonspieler mit in die Songs oder spielt häufig mit exotischen sieben- und achtseitigen Gitarren), Samoth interessiert sich mehr für rhythmuslastigeren, schnellen, musikalisch ebenfalls recht anspruchsvollen Death Metal. Man kann an den Solokarrieren der beiden Bandköpfe und Gitarristen ablesen, warum Emperor zu jeder Zeit so gut funktioniert haben, man versteht, wie sich diese beiden Menschen in einer neu entstehenden Nische extremer Gitarrenmusik so perfekt ergänzt haben: Der Eine war für den Rhythmus und die Skelette der Kompositionen zuständig, der Andere füllte sie mit originellen Melodien und Ideen.

Es gibt derweilen nur wenige aufgelöste, ungebrochen beliebte Bands, deren Musiker noch aktiv und am Leben sind, die nie versucht haben, mit der Hilfe einer mittelmäßigen Reunion noch einmal die Fanbasis um ihre Ersparnisse zu bringen. Seit dreizehn Jahren sind Emperor trotz ihrer ungebrochenen Popularität zumindest fast eine dieser Bands. Auch wenn sie seit einiger Zeit alle paar Jubeljahre wieder bei Wacken für eine Show den Headliner geben und kürzlich ein paar Konzerte anlässlich des 20jährigen Jubiläums von „In The Nightside Eclipse“ gespielt haben, steht eine echte Wiedervereinigung oder gar weiteres Album unter dem Namen für beide Bandköpfe nicht zur Diskussion, da ein solches nach eigener Aussage ein Verrat am Erbe der Band wäre. Derartige Statments würde man sich von mehr Musikern wünschen. Die komplette Discographie von Emperor jedenfalls ist momentan nur schwer zu kritisieren, sie ist durchgängig auf erstaunlich hohem Niveau. (9/10)

5 Gedanken zu „Komplett-Review: Alle Alben von Emperor“

    1. Mach mal :). Ich weiß allerdings nicht, ob Emperor so einstiegskompatibel für das Genre ist, das ist schon eher für Fortgeschrittene, weil die schon häufig atonale/chromatische Tonfolgen drin haben. Das klingt zunächst wie Krach, wenn man es nicht gewohnt ist, zumal, wenn es schnell und mit verzerrten Gitarren gespielt wird, also eher so, als würde man sich direkt Freejazz anhören, wenn man vorher nur Pop gehört hat, übertrieben gesagt.

      Vielleicht ist amerikanischer Black Metal bzw. Blackgaze die beste Einstiegsmöglichkeit. Sowas wie Wolves In The Throne Room, Deafheaven oder Woods Of Desolation, zum Beispiel. Die verwenden andere Tonskalen, das ist teilweise noch recht ohrenverträglich im westlichen Musik-Sinne. Oder die Ecke, die noch Folk-Einflüsse mit drin hat, die sind melodietechnisch oft in der klassischen Rockmusik verankert (zumindest die Soli)… Windir könntest Du zum Beispiel mal anhören oder Agalloch.

  1. Sehr guter Artikel! Machst du die Komplettreviews jetzt regelmäßig? In dem Schreibstil würde auf jeden Fall gerne mehr über metalbands allgemein lesen.

  2. Die einzelnen Rezensionen sind wirklich sehr gut und durchdacht geschrieben. Es ist ganz offensichtlich, daß sich bei Formulierung und Beschreibung viel Mühe gegeben wurde. Der Leser bekommt neben einigen Hintergrundinformationen auch einen ersten Eindruck davon, was die Alben aus musikalischer Sicht ausmacht und wie sich die Band im Laufe der Zeit entwickelte. Das bekommen in der Form leider nur noch wenige Musikrezensenten in der heutigen Zeit hin.

    Kritisch betrachte ich einzig zwei Bewertungen, welchen als solche natürlich immer ein wenig Subjektivität anhaftet. „In The Nightside Eclipse“ verdient definitiv den ein oder anderen Zähler mehr, wohingegen „Prometheus: The Discipline of Fire & Demise“ ein wenig zu gut wegkommt. Ein für das Genre wegbereitendes und Maßstäbe setzendes Album wie das Debüt hat ohne Zweifel auch heute noch absolute Daseinsberechtigung und blieb vor allem atmosphärisch unerreicht. Und selbst wenn es die ein oder andere Band geben mag, die ein ähnliches Konzept technisch besser umsetzen konnte, bleiben Emperor immer noch die Innovatoren und „In The Nightside Eclipse“ eines der authentischsten Black Metal Alben überhaupt. „Promotheus: The Discipline of Fire & Demise“ hingegen ist ein äußerst kaltes und steril wirkendes Stück Musik, welches Pointierungen und wahre Höhepunkte vermissen läßt. Man könnte es auch als den „Deus ex machina“ in der Diskographie bezeichnen.

    1. Ich kann die beiden Kritikpunkte komplett nachvollziehen, gerade bei „In The Nightside Eclipse“ habe ich es mir mit der Bewertung nicht leicht gemacht: Wenn man allein die musikhistorische Relevanz des Albums heranzieht, dann hat es sicher eine höhere Wertung verdient. Rein musikalisch kommt es aber nicht an die späteren Sachen ran. Die Keyboards und Vocals wirken mit etwas Abstand schon zumindest in Teilen leicht lächerlich.

      Bei „Prometheus“ stimme ich Dir auch in der Analyse zu: Das Album ist komplett verkopft und man findet ziemlich schwer Zugang (deswegen schrieb ich „zu perfekt“), aber wenn man ihn findet, dann.

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