Bestehen weit fortgeschrittene Zivilisationen immer aus intelligenten Maschinen?

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Vor einer Weile stieß ich via Twitter auf ein interessantes Positionspapier namens „Alien Minds“ der US-Philosophin Susan Schneider. Es beginnt mit der Hypothese, dass fortgeschrittene Zivilisationen an anderen Orten im Weltraum in den meisten Fällen aus superintelligenten Maschinen bestehen und nicht mehr aus organischen Lebensformen („post-biological“) und geht vor allem der Frage nach, ob und wie Maschinen sich ihrer selbst bewusst sein können.

Das Thema liess mich, nachdem ich es zunächst für mit Unsinn (i.e. sehr weit hergeholten Schlussfolgerungen) durchtränkt hielt, eine ganze Weile nicht mehr los. Der eigentliche Hauptteil des Papers (der Teil über Maschinenbewusstsein) war allerdings gar nicht vorwiegend interessant für mich, viel mehr fand ich die Frage spannend, wie vom Ausgangspunkt „biologische Lebensform“ die Entwicklung zu einer Maschinenzivilisation verlaufen könnte, eine Frage, die ich in dem Paper nur sehr unzureichend beantwortet fand.

Aber fangen wir vorne an: Das Universum ist, wie mehrfach auf diesen Blog beschrieben, riesig. Wahrscheinlich gibt es für jedes Sandkorn auf der Erde irgendwo im Weltall einen Planeten, der um einen Stern kreist1. Man kann mal im Ruhe darüber nachdenken, wenn man an einem Strand sitzt. Das Universum ist aber auch alt. Uralt. 13,8 Milliarden Jahre alt. Die einzige intelligente (i.e. sich selbst bewusste) Zivilisation auf der Erde (soweit wir wissen), also die menschliche Zivilisation, ist dagegen ein galaktisches Baby. Nimmt man das Alter des Universums und verschiedener Sterne als Grundlage, dann gibt es mit einiger Wahrscheinlichkeit sehr viele intelligente Zivilisationen im Weltraum, die Millionen, wenn nicht Milliarden Jahre älter sind als unsere. Vielleicht ist das sogar die Mehrheit. Der moderne Mensch hat dagegen maximal 200.000 Jahre auf dem Buckel, vielleicht eher 50.000 im engeren Sinne.

Es fällt aus den beiden Gründen nicht schwer, sich vorzustellen, dass es da draussen sehr viele Zivilisationen gibt, die sehr viel älter als die Menschheit sind. Viele Millionen Jahr älter. Die Frage lautet: Was können wir daraus schließen? Wie sehen solche uralten Zivilisationen aus? Geht es nach Susan Schneider, dann ist ein großer Teil dieser Zivilisationen „postbiologisch“ und „superintelligent“, kurz vereinfacht: Es sind alles kluge Maschinen. Die Frage lautet: Wie kommt es dazu?

Ich versuchte, darüber nachzudenken, wie eine biologische Zivilisation im Laufe der Zeit zu einer maschinellen Zivilisation werden könnte und wie das mit unseren menschlichen Ethik-Standards und Verhaltensweisen in Einklang zu bringen sein könnte. Ich kam auf der Grundlage heute schon in den Anfängen steckender Technologien der Menschheit auf einige sehr plausibel erscheinende Szenarien, von denen ich drei sehr wahrscheinliche kurz durchspielen will, um anschließend ein paar Schlussfolgerungen zu ziehen.

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Szenario 1: Der Mind-Upload

Die Originalmenschen sterben irgendwann. Was weiterleben wird, sind in Rechner oder gar sich bewegende Maschinen übertragene Daten, die sich (zumindest zu Beginn) wie Menschen verhalten. Für Außenstehende wird es beim Übergang zu den Daten bis auf den physischen Unterschied keinen merkbaren Unterschied zu der echten Person geben, die mal gelebt hat. Für uns als (biologische) Menschheit bedeutet Szenario Eins allerdings den Untergang.

Stellen wir uns kurz vor, die Technik wäre schon 2009 einen großen Schritt weiter gewesen (so groß ist der Schritt vielleicht gar nicht: Hier kann man den Geist eines Wurms betrachten, der in einen Lego-Roboter übertragen würde) und Michael Jackson hätte vor seinem Tod verfügt, dass nach seinem Ableben sein Geist in einen Roboter hochgeladen wird, der exakt aussieht wie Michael Jackson. Er würde heute weiterhin Musik machen, Konzerte und Interviews geben und nichts bis auf die Tatsache, dass er nicht mehr altert, würde darauf hindeuten, dass es sich nicht um Michael Jackson handelt. Für uns als Beobachter wäre das weiterhin Michael Jackson, auch wenn es vielleicht ein paar Jahre dauern würde, bis sich diese Betrachtungsweise durchsetzt. Zu Beginn würden sehr viele Menschen das alles ablehnen und sagen: „Ja, aber es nicht der Original-Jackson, der ist vor vielen Jahren gestorben, das sind nur seine Daten“. Aber im Laufe der Jahre, wenn immer mehr verblichene Promis ihre Hirne in Androiden hochladen und im Original sterben, würden die Unterschiede mehr und mehr verschwimmen. Man müsste dann schon nachschlagen, wer noch im Original lebt oder es in Artikeln immer dazuschreiben, worauf irgendwann auch keiner mehr Lust hat. Um es deutlicher zu sagen: Der größte spürbare Unterschied zwischen dem Original-Michael Jackson und seinem Androiden-Nachfolger bestünde vor allem für eine Person: Für Michael Jackson selbst. Und zwar sowohl für das Original (das sterben müsste) als auch für die neue Version, die sich erstmal an den Androidenkörper gewöhnen müsste. Für die Allgemeinheit wäre der Unterschied marginal, man bräuchte jetzt aber wenigstens kein Photoshop mehr, um die Person auf Bildern ewig jung erscheinen zu lassen.

Wenn die Technik schließlich Massenware ist und auch ganz normale Leute vielleicht schon zu Lebzeiten ihre Gehirne in Androiden hochladen, dann löst es sich ganz auf. Jahrhunderte vergehen. Michael Jackson bringt gerade sein 269. Album raus, das nach einer 70jährigen Phase, in der er nicht so populär war, sein großes Comeback wird. Die Androiden haben in dieser Phase schon lange den entscheidenden Evolutionsvorteil, dass sie nicht sterben und vermutlich immer weniger Energie brauchen. Sie würden sich im Laufe der Zeit also deutlich vermehren. Unter den Originalmenschen ist derweilen nur noch ein paar wenigen Musikhistorikern bekannt, dass die ersten sechs Michael Jackson-Alben von einem echten Menschen gemacht wurden. Die Androiden wissen das alle, sie haben bereits direkten Zugriff auf Wikipedia, aber sie identifizieren sich viel mehr mit dem Androiden-Jackson, seine Musik wurde im Laufe der Zeit schließlich immer besser und komplexer, als er seine Schaltkreise mit neuen Zusatzprogrammen gefüttert hat, die ihn immer komplexere Musik komponieren ließen. Die Androiden würden in unserem Szenario relativ schnell, nämlich innerhalb weniger Generationen, in ihrer Zahl die Menschen deutlich überholen und sie könnten sich immer wieder neu in Körper hochladen, falls neue, bessere Körper konstruiert werden oder ihre vorhandenen Körper verbessern.

Die Originalmenschen, die Nahrung aufnehmen, sich auf natürlichen Wege fortpflanzen müssen, die sich nicht Wissen per Download aneignen können, keine Flugdüsen haben etc., würden nach und nach zu einer Minderheit werden. Einer Minderheit, die intelligenzmäßig und körperlich zurückgeblieben ist und auch sonst in jeder Hinsicht immer lästiger für die Mehrheit wird. Sie brauchen Häuser und Strom, sie brauchen Wasser und Autos, sie müssen schlafen, während die Roboter längst per Solarzellen funktionieren. Kein Arbeitgeber würde mehr einen Menschen einstellen, der nur acht Stunden arbeiten kann und die überflüssigen Bauwerke und Restaurants nehmen den Androiden, die immer mehr werden, den benötigten Platz weg. In den Parlamenten sitzen nach wenigen Generationen schon viel mehr Androiden als Menschen und die erstellen zwar Artenschutzgesetze für die restlichen und inzwischen deutlich an der Zahl geschrumpften Originalmenschen, aber diese primitiven Wesen haben längst nichts mehr zu sagen, da sind sich die Androiden einig.

Kommt jetzt noch irgendein Virus, eine Naturkatastrophe oder spätestens das Ende der Sonne dazu (die Androiden haben bis dahin längst einen anderen Weg gefunden, Energie zu tanken statt der alten Solarzellen und wenn es Atombatterien sind), dann war es das mit der biologischen Menschheit. Nun existieren nur noch Androiden und sie haben inzwischen natürlich auch Wege gefunden, Gehirne selbst zu kreieren, sie brauchen längst keinen Upload von Originalmenschen mehr, um weitere Androiden zu erschaffen. Sie brauchen vielleicht auch gar keine Körper mehr, sondern nur noch einen großen Rechner, in dem sie sich zu einem großen Geist zusammenschalten können.

Szenario 2: Technische Enhancements des biologischen Körpers

Neben dem Upload-Szenario gibt es noch ein zweites, ebenfalls plausibles und fast noch interessanteres Szenario, in dem Maschinen den Menschen nach und nach ersetzen könnten und das sind technische „Enhancements“. In Szenario Zwei würde die Menschheit überleben und nach und nach gleichermaßen unsterblich wie maschinell werden.

Schon heute erleben wir die Anfänge von Cyborg-Technik, Technik, die am Körper getragen oder gleich in den Körper implantiert wird und dort Krankheiten heilt oder die menschlichen Fähigkeiten erweitert. Man kann das alles gruselig finden (ich tue es selbst gerne von Zeit zu Zeit), wenn man man aber dem aktuellen Stand von Identitätstheorien folgt, die besagen, dass das Ich eines Menschen nicht aus seinen Körper besteht und auch nicht alleine aus seinen Daten im Gehirn (siehe Szenario Eins, der upgeloadete Datensatz bist ja eben nicht Du, sondern eine Kopie von Dir), sondern vielmehr aus der Kontinuität der Daten und Erinnerungen, dann erscheint das Enhancement-Szenario plötzlich sehr plausibel.

Um das Thema Kontinuität näher zu erläutern, stellen wir uns kurz vor, dass wir von einem Tag auf den anderen komplett durch Maschinenbauteile ersetzt werden. Dein Körper wird mit Roboterbauteilen ausgestattet, dann werden Dir Schaltkreise ins Hirn gesetzt und am Ende gibt es eine Funktion, die alle biologischen Komponenten weglasert, weil sie nicht mehr notwendig sind. Wir hätten riesige Angst davor, schließlich wären wir dann tot, richtig? Der Roboter wäre doch nur eine Kopie, genau wie bei der alten Frage mit dem Beam-Experiment. In einem gleichen Gedankenexperiment, in dem unsere biologischen Zellen nach und nach zu einem kleinen Prozentsatz ersetzt werden (wie es im Laufe des Lebens auch auf natürliche Weise geschieht), kämen wir aber nicht auf die Idee, dass wir dabei sterben. Ähnlich könnte es mit technischen Enhancements verlaufen: Du kauftst Dir irgendwann bessere Beine und lässt sie Dir einbauen, vielleicht ein künstliches Ohr, dann ein paar Schaltkreise im Gehirn, um eine direkte Internetverbindung zu haben. In keinem einzelnen dieser Schritte verlierst Du das Gefühl, Du selbst zu sein, im Gegenteil ist es immer nur ein ein Stück verbessertes Du, aber am Ende bist Du dann doch eine vollständige Maschine. Im Gegensatz zum ersten Szenario, dem Upload, wäre bei dieser Variante die Kontinuität soweit gegeben, dass unser Ich nicht sterben muss.2 Die Maschine ist nur die Evolutionsstufe, Du bist immer noch Du. Du bist jetzt ein superintelligentes Du, aber es würde sich aus der Innenperspektive nicht anders anfühlen, als vom Kleinkind zum Erwachsenen zu werden, auch in diesem Prozess erlernt man permanent neue Fähigkeiten, die die Möglichkeiten radikal erweitern.

Denkt man wieder in sehr langen Zeiträumen, die andere Zivilisationen vielleicht schon durchlebt haben (viele Millionen Jahre), dann scheint ein solches Szenario sehr plausibel. Wenn die technischen Möglichkeiten dafür gegeben sind, sich nach und nach durch Maschinenteile ersetzen zu lassen, würden wohl sogar die größten Technologiekritiker im hohen Alter einen Versuch riskieren, um dem Tod zu entgehen. Der Rest dieser Geschichte ist analog zum ersten Beispiel.

Szenario 3: Erfindung einer künstlichen AI

Das dritte Szenario, das mir einfällt, das ich hier aber nicht in aller Länge ausführen will, weil es zur Genüge diskutiert wurde, sind die von den Menschen erschaffenen, intelligenten und „künstlichen“ Maschinen, die weniger nach menschlichem Vorbild, sondern nach Vorbild schon exisitierender Schaltkreistechnologien funktionieren. Szenario Drei bedeutet langfristig die Abschaffung der Menschheit durch sich selbst bzw. durch eine von ihr erfundene Nachfolgespezies.

Szenario drei sind die klassischen Roboter aus der Science Fiction, die nach und nach die Welt übernehmen. Die Geschichte der superintelligenten KI wurde von sehr vielen Schriftstellern, aber auch von Wissenschaftlern in so vielen Varianten erzählt, dass ich hier nur insofern darauf Bezug nehmen will, dass auf sehr lange Sicht (wir reden über Millionen oder gar Milliarden Jahre) eine Version der Story nicht unwahrscheinlich erscheint (es muss ja nicht gleich das „Graue Schmiere-Szenario“ sein).

Alle drei hier vorgestellten Szenarien haben gemeinsam, dass sie auf ein sehr ähnliches, wenn nicht exakt gleiches Endergebnis hinauslaufen (nämlich auf eine intelligente Maschinen-Gesellschaft, die sich schlussendlich selbst weiterentwickelt). Lediglich der Ausgangspunkt bzw. der Ursprung der Maschinen ist in den drei Varianten ein jweils anderer (Erstellung einer Kopie des Menschen, Weiterentwicklung des Menschen, Erfindung einer künstlichen Intelligenz).

Zwischenfazit für die Entwicklung der Menschheit

Denkt man eine Weile darüber nach, dann klingen vom heutigen Stand der technischen Entwicklung aus alle drei Szenarien ziemlich plausibel. Selbst wenn man den Machtübernahme-Teil der Roboter und die Naturkatastrophen weglässt, kann man sich darüberhinaus noch verschiedenste andere Wege konstruieren, wie die Technik der Nachbildung von Leben in Computern zu einem Aussterben der Menschheit zugunsten einer nicht mehr biologischen Nachfolgespezies führt. Schon eine einzige potentiell unsterbliche (wenn nicht bewusst zerstörte) Maschine mit einem sich selbst bewussten Geist könnte die ganze Menschheit überleben, Millionen solcher Maschinen können es auf jeden Fall, denn in langen Zeiträumen wird irgendwas mit der Erde passieren, egal, ob Meteroiteneinschläge, Naturereignisse, das kollektive Ende der Energiequellen oder Ähnliches.

Ich komme also zu dem Schluss, dass unsere Zivilisation auf lange Sicht aus Maschinen bestehen wird, es scheint fast kein Weg daran vorbei zu führen. Man kann natürlich an die Auswege denken, mit der biologischen Menschheit mehrere Planeten zu besiedeln, sie also wie ein Virus möglichst weit im Weltall zu verbreiten und / oder daran zu forschen, unsere biologischen Körper unsterblich werden zu lassen, aber selbst diese beiden Optionen schließen die drei oben beschriebenen Szenarien ja keineswegs aus, im Gegenteil ergänzen sie sich: So wären Besiedelung von Weltraum und Unsterblichkeit wahrscheinlich am leichtesten mit der Hilfe von technischen Enhancements des Körpers realisierbar.

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Übertragung auf andere Zivilisationen und Probleme

Erklärt das alles vielleicht auch das das Fermi-Paradox3, also die Frage danach, warum wir keine anderen Zivilisationen finden? Entdecken wir deswegen keine Aliens, weil sie irgendwann, wenn sie soweit entwickelt sind, dass sie interstellare Reisen durchführen könnten, vielleicht gar keine Planeten mehr brauchen, sondern einfach im Weltall rumexistieren können, denn sie sind ja hochentwickelte Maschinen? Und das Weltall ist so verflucht riesig (der individuelle Abstand zwischen einzelnen Planeten oder gar Sternen oder gar Galaxien, also der leere Raum ist gigantisch), dass unsere Chancen, sie zu finden, einfach winzig klein wären, selbst wenn es sehr viele sind. Vor allem aber suchen wir ja nach biologischen Lebensformen.

Vielleicht ist das der Fall. Überträgt man die oben gedachte, menschliche Entwicklung in Richtung einer Maschinenzivilisation aber einfach so auf andere Spezies, dann bekommt man schnell massive Probleme mit der kompletten Argumentationskette. Vor allem gibt es das riesige „N=1“-Problem, das in dem Paper von Susan Schneider mit ein paar phrasenhaften Sätzen weggewischt wird („Human civilization is the only one we know of and we better learn from it“). Unsere ganzen Erläuterungen und Annahmen basieren allein auf der Menscheit und ihren Konzepten, denn ein anderes Beispiel haben wir nicht. Es sind zu viele Sachen drin, die wir bei einer anderen Zivilisation vorraussetzen, die aber gar nicht gegeben sein müssen. Kennen intelligente (im Sinne von „sich selbst bewusste“) Alien-Zivilisationen überhaupt das Konzept „Zeit“ und haben einen Wahrnehmungssinn dafür? Haben sie soetwas wie „Fortpflanzung“ und „Evolution“ und „Entwicklung“? Sie könnten schon direkt von Geburt an (wenn sie „Geburt“ kennen und nicht aus ihrer Sicht einfach nur „da“ sind) unsterblich sein. Wer unsterblich ist, könnte auch gar kein Interesse daran haben, sich fortzuentwickeln, weil er kein geringes Zeitfenster hat, in dem er Dinge schaffen muss. Weiter: Höchstwahrscheinlich wissen sie nicht einmal, was „Interesse“ ist und schließlich müssen sie noch nicht einmal organisch sein, denn das ist nur unsere bisherige Definition von Leben, die wiederum von der Erde stammt. Alle unsere Konzepte von Existenz, sowie dem Sinn und Ziel der Existenz, sind hinfällig, wenn es um hypothetische Exozivilisationen geht. Ihr Verhalten ist für uns in keiner Weise vorhersagbar, sofern man nicht annimmt, dass die Evolution überall im Universum völlig gleichartig verläuft und kein zufälliger Prozess war, in dem sich zu Beginn verschiedene chemische Elemente miteinander mischten.

Kurzum: Es sind viel zu viele Unwägbarkeiten in der Überlegung, zu viele irdische Konzepte, die wir so nicht einfach übertragen können. Wir bräuchten mindestens ein zweites Beispiel für Leben auf einem anderen Planeten. Daraus würden sich dann aber neue, viel schlimmere Probleme ergeben: Wenn auf dem Mars, also unserem direkten Nachbarplaneten, Anzeichen von früherem, gar früherem intelligentem Leben gefunden werden sollten, dann sieht es aus Sicht einiger Wissenschaftler für die Menschheit sehr düster aus. Es könnte nämlich bedeuten, dass Leben im Weltall sehr oft vorkommt (wenn es schon direkt nebenan passiert), aber dass wir deswegen nichts finden, weil der Großteil der intelligenten Zivilisationen den Sprung über den „Great Filter“ zu einer langlebigen und interstellaren Zivilisation nicht schafft. Das würde in der Folge auch bedeuten, dass wir als Menschheit den Sprung vermutlich auch nicht schaffen werden. Aber das ist ein anderes Thema für einen anderen Artikel.

1 Das gilt, sofern die Zahl von Exoplanten in anderen Teilen des Universums ähnlich hoch ist wie in unserer Umgebung, wovon ich aber ausgehe. Sollte es in anderen Teilen der Milchstraße und in anderen Galaxien gar keine Exoplanten geben, wäre unser Teil der Milchstraße nicht nur extrem ungewöhnlich gebaut, sondern wir wären vermutlich eher alleine im Universum. Zum Verhältnis Sandkörner auf der Erde vs Sterne im Universum empfehle ich diesen Artikel.

2 Vielleicht noch ein paar weitere anschauliche Anmerkungen zum Thema Identität: a) Dein Körper ist nicht Dein Ich, denn wenn Dein Gehirn in einen anderen Körper verpflanzt wird, dann bist eindeutig Du im anderen Körper. b) Deine Daten sind aber auch nicht Dein Ich, denn sonst wärst Du mit einer Kopie Deiner Hirnströme identisch. Wenn Deine Hirnströme kopiert werden und Du stirbst, stirbst aber immer noch Du (siehe auch Variante „Mind Upload“ oder die genannten Theorien über den Tod beim hypothetischen Beamen). c) Die Kontinuität Deiner Daten macht Dich als Mensch aus. Du hast von außen betrachtet überhaupt nichts mehr mit dem Kind zu tun, das Du mal warst, nichteinmal mehr Körperzellen, denn die erneuern sich. Trotzdem bist Du noch immer identisch mit der Person des Kindes, das Kind warst gefühlt Du, weil eine kontinuierliche Bewusstseinsabfolge zwischen den zwei Stadien besteht.

3 Über einen leicht anderen Blick auf diese Frage habe ich in dem Artikel „Warum ein Besuch von Außerirdischen auf der Erde ganz anders sein wird, als jede Fiktion oder Theorie vorhersagt“ geschrieben.

4 Gedanken zu „Bestehen weit fortgeschrittene Zivilisationen immer aus intelligenten Maschinen?“

  1. Interessanter Text, der ein paar Themen verknüpft, die ich vorher nicht in der Weise als zusammengehörig betrachtet habe…

    Es gäbe aber auch noch eine ganz andere Möglichkeit, aus dem Ende als Maschine herauszukommen, die mir hier fehlt: Vielleicht ist „Leben“ in Form vom Computern gar nicht simulierbar oder erfindbar, vielleicht gibt es auch an der Stelle eine Art Filter der Natur, der solche Sachen verhindert.

    1. „Gefühlt“ will ich dem Einwand sofort zustimmen. Wenn ich allerdings darüber nachdenke, dann ist diese Ablehnung ein religiöser Reflex. Du bringst Du hier aber wieder so eine Metaphysik ins Spiel, ein göttliches Prinzip, dass das verhindert, Du nennst Gott in dem Fall nur Natur („Ein höheres Prinzip der Natur verbietet uns, Leben zu erschaffen“).

      Vermutlich übersteigt es einfach unseren (heutigen) Horizont, so etwas wie eine intelligente Maschine zu denken. Rein technisch wird ein vollständiges menschliches Gehirn meiner Meinung nach irgendwann komplett simulierbar sein und die Zeit bis dahin ist auch nicht mehr so unendlich lang. Und dann sind die in dem Artikel genannten Szenarien plötzlich ziemlich greifbar.

      Ob das dann als Leben in unserem Sinne definiert werden wird: Gute Frage, das muss man wohl erleben.

  2. Auch in dem Fall wäre es nicht sehr logisch, dass sich außerirdische Zivilisationen so entwickeln – wie du ja selbst am Ende feststellt.

    Das Aber: Aber was, wenn Evolution wirklich genauso ist wie physikalische Gesetze und überall gleich? Dann wäre es komplett anders, dann würde an anderen Orten ähnliches Leben entstehen wie auf der Erde und die würden vielleicht auch irgendwann Technik erfinden. Dann wären die Szenarien durchaus übertragbar. Spannendes Gedankenexperiment, dessen Lösung wir vermutlich erst erfahren, wenn wir es schaffen durchs All reisen.

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