Neue Nerv-Notification verfügbar

nerv1 Eine kurze Frage: Woher haben einige deutsche Medien eigentlich die Idee, dass irgendein Nutzer Interesse daran haben könnte, Webseiten oder Apps manuell mit von ihnen selbstentworfenen Buttons zu aktualisieren? Es ist eines der nervigsten Interface-Konzepte, die ich kenne.

Auf Zeit Online reißt mich ein Popup aus meiner normalen Benutzung der Webseite, wenn es neue Inhalte gibt. Meistens bin ich davon so gestört, dass ich die Seite lieber gleich wieder schließe. Auch FAZ.net hat inzwischen solche Pop-Ups eingeführt. In deren Version kann man als Leser sogar noch direkt die Facebook-Seite liken oder ihnen auf Twitter folgen. Es fehlt nur noch der Button, um ein Abo abzuschließen.

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Auf die Spitze getrieben wird das Nerv-Feature mit gleich mehreren, parallel ablaufenden Varianten in der nagelneuen FAZ-App „Der Tag“, die eigentlich konzeptuell besonders simpel sein soll: Erst erscheint kurz eine In-App Notification oben am Bildrand, die von selbst wieder verschwindet, dann leuchtet permanent eine Notification-Bubble an dem F oben links auf, das man erst klicken und danach zusätzlich ein Bestätigungs-Pop-Up bejahen muss, bis endlich neue Inhalte geladen werden. Für diesen Ladevorgang wurde schließlich noch ein weiteres Layover designt, in dem man sogar noch „abbrechen“ kann (warum um alles in der Welt sollte man in einer News-App das Nachladen von neuen Artikeln abbrechen?!). Man bekommt also ingesamt vier, sehr unterschiedliche visuelle Hinweise und muss zwei Klicks ausführen, nur um an neuen Content zu kommen.

Das ist Usability aus der Hölle. Ein großer Anteil aller anderen Apps macht Aktualisierungen automatisch oder maximal mit dem sehr dezent versteckten Swipe über den oberen Rand („Pull to refresh“), die meisten anderen Webseiten überlassen das einfach dem User, der im Regelfall durchaus weiß, wie man einen Browser bedient.

Für mich als Leser sorgt dieses sich offenbar ausbreitende Konzept ausschließlich für Frustration und dafür, dass ich die entsprechenden Angebote seltener aufrufe. Was steckt also dahinter und woher kommt das? Generiert es wirklich mehr Klicks oder Seitenaufrufe? Gibt es andere Vorteile für die Medien, die das einsetzen? Das würde mich tatsächlich interessieren.

7 Gedanken zu „Neue Nerv-Notification verfügbar“

  1. Ich würde mal vermute, dass es nur um Klicks geht. Dass grade Leser, die gerne und viel lesen, abgeschreckt werden, ist wohl zugunsten der kurzfristigen Zahlen egal … wegen solchen Sachen wundert es mich aber nicht, dass keine für Journalismus im netz zahlen will.

    1. Ich kann mir vorstellen, dass das Page Impressions generiert, also NUR Zahlen beschönigt. Zufriedene Leser oder mehr Leser generiert es nicht. Ziemlich kontraproduktiv, ein solches Feature würde mich auf jeden Fall davon abhalten, für Inhalte auf einer Webseite oder App zu bezahlen, das ist schlimmer als irgendwelche Werbebanner, die ich kognitiv ausblenden kann.

  2. Bei der Süddeutschen gibt es seit kurzem noch einen weiteren Nervfaktor: Scrollt man bei einem Artikel ganz nach unten, wird man automatisch auf die Startseite weitergeleitet. Hallo??!?! Ich war noch nicht fertig mit lesen! Besonders störend ist das bei einem vertikalen Monitor, da hat man viel Platz „nach unten“ und schlägt dementsprechend häufiger als ein Nutzer mit Widescreen-Display auf der Seite unten an und löst damit die Weiterleitung aus.

  3. Mich nervt das auch und ich habe schon mit mehreren Leuten darüber geredet, denen das auch sauer aufstösst. Aber es scheint ja zu funktionieren, sonst wärs nicht da, also wird es eher mehr als weniger werden. Die News sind halt so schnell und überhypet, dass schon alles wieder anders ist während man noch einen Artikel liest. Irgendwann aktualisiert man nur noch und dann kann man gleich zu Twitter wechseln ^^.

    1. Sowas ähnliches dachte ich auch erst, aber das Problem dreht sich gar nicht um Geschwindigkeit, sondern wirklich um Usability. Es geht eher darum, den Nutzer nicht dauernd mit solchen Nichtigkeiten zu belästigen.

      Auch Twitter aktualisiert Tweets in so gut wie allen Clients ohne Popovers und Klicks (wie absurd wäre z.B. das Layover „jetzt neue Tweets einblenden!!“ in Tweetbot?) und das funktioniert super, obwohl es extrem schnell ist. Und das Problem gibt es halt auch in einer ausdrücklich „langsamen“ App wie „Der Tag“ von der FAZ.

      Im Grunde geht es darum, die Benutzung so angenehm wie möglich zu machen. Mein Merksatz: Wenn der Nutzer das Interface dauernd wahrnimmt, statt sich einfach durchzuklicken, dann ist es ein schlechtes Interface.

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