Selbstgeschriebene Noten bei Twitter und Facebook posten – ein Social Media-Experiment

noteshead

Ich bin kein Musiker und auch kein Komponist, sondern nur ein noch am Anfang stehender Hobby-Gitarrist, der Spaß daran hat, sich kleine Songs auszudenken oder selbstgeschriebene Gitarren-Riffs und -Soli zu einer songähnlichen Struktur zu kombinieren.

Genau das habe ich auch in der letzten Woche gemacht und wie immer habe ich mir das Stück aufgeschrieben.

12032809_10153198364274227_3304338187156503105_oDas Stück „Distelfink – Berg / Tal“ (Distelfink ist der Projekt- / Bandname, vermutlich wird die Musik aus der Ecke Folk- / Black Metal mit ein bisschen atonalem Einschlag kommen, weil das meine musikalische Heimat ist) ist merkwürdig, es pendelt taktweise von perkussiv und sehr tief auf melodisch und sehr hoch und wieder zurück (und drei Takte passen auch gar noch nicht wirklich in den Rhythmus, in dem es notiert ist), aber um die musikalischen Feinheiten soll es hier gar nicht gehen.

Am Freitag Abend hatte ich die Idee, die Noten auf Twitter und bei Facebook einzustellen und meine Freunde, Follower und Bekannten danach zu fragen, ob sie nicht Lust hätten, das Stück zu spielen und auch gerne damit rumzuexperimentieren, Instrument egal. Ich fand den Gedanken sehr reizvoll, quasi eine Cover-Version von einem Song zu hören, der gar nicht oder nur in meinem Kopf existierte.

Das hier passierte dann:

• Zwei Personen schrieben mir, sie würden zwar Musik machen, könnten aber keine Noten lesen.

• Eine Person kommentierte ausführlich per Mail die Struktur des Stückes mit Hinweisen, wie er es besser machen würde.

• Eine Person stellte ausführliche Rückfragen zum gewünschten Instrument, zur Aufnahmetechnik und zum Umgang mit einem Teilstück des Stückes und meldete sich dann nicht mehr.

• Eine Person schrieb mir, sie könne das auf jeden Fall spielen, aber ihre Kinder würden gerade schlafen.

• Drei Personen kommentierten, dass die Takte 2,4 und 6 nicht zum 4/4tel-Takt des Stückes passen.

• Zwei Personen schrieben witzige Replies.

• Eine Person kommentierte, das Stück würde seine „musikalische Intelligenz“ beleidigen.

• Drei Personen verlinkten andere Personen, um sie auf das Stück hinzuweisen.

• Einundreißig Personen favten den Tweet.

• Sechsunddreißig Personen retweeten den Tweet.

• Zwölf Personen likten den Facebook-Post.

• Drei Personen sharten den Facebook-Post.

• Drei Personen kündigten an, das Stück mit jeweils ihrem Instrument zu spielen und meldeten sich dann nicht mehr.

• Und eine Person, genauer gesagt ein Gitarrist namens Björn Kirchhoff, setzte sich mehrere Abende hin, spielte das Stück auf seiner E-Gitarre ein, erweiterte die Struktur ein bisschen, bastelte einen Drum- und Bass-Track dazu und kam schließlich bei einem kompletten, ausgearbeiteten Song an. Er hat sogar Artwork dazu erstellt.

Dieses Ergebnis ist ganz wundervoll, es ist genau der Song, den ich auf der Akustikgitarre vor mich hinklimperte und es ist auch das Genre, in dem der Track geschrieben wurde (Metal im weitesten Sinne), aber es ist auch viel mehr. Es ist ein Cover von einem Original, das (zumindest für alle, die nicht letzte Woche mit mir auf der Couch saßen, also alle) nur geistig existiert.

Björn hat das Stück nicht ganz exakt so gespielt, wie ich es aufnotiert habe, er hat einzelne Passagen anders angeordnet und wiederholt, um „Berg / Tal“ zu einem kompletten Song verlängern und hat doch genau meine Noten verwendet. Genau das war das Ziel der Aktion: Dass irgendjemand kreativ mit diesem Material umgeht.

Falls noch irgendjemand das Stück völlig anders oder genau so interpretieren möchte (vielleicht mit einem Klavier, einer Geige oder einem ganz anderen Instrument, es kann natürlich auch viel minimalistischer als diese Bombast-Version sein), dann würde ich mich sehr darüber freuen. Bitte orientiert euch auch nicht an der Version von Björn, sondern nur an den Noten. Mit denen dürft ihr aber natürlich machen, was ihr wollt. Netz-Experiment vorläufig gelungen.

2 Gedanken zu „Selbstgeschriebene Noten bei Twitter und Facebook posten – ein Social Media-Experiment“

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