Finterview: Mars und Leben im All

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Adam Rosenberg ist Philosoph und Exobiologe, der sich auf die theoretische Erforschung von Leben auf anderen Planeten spezialisiert hat. Sein aktuelles Buch „Ad Astra“ beschreibt, wie die Menschheit in ferner Zukunft ins All aufbrechen muss, um zu überleben. Adam Rosenberg lebt und forscht in Washington D.C.

Der Lampiongarten: Die Nasa hat fließendes Wasser auf dem Mars entdeckt. Warum ist wichtig?

Adam Rosenberg: Nicht nur entdeckt, sondern eindeutig nachgewiesen. Der Unterschied ist relevant. Die Vermutung, dass es fließendes Wasser auf dem Mars gibt, hatten wir ja schon seit längerer Zeit. Und: „wichtig“ ist untertrieben. Die Presse hat die Nachricht zwar irgendwie pflichtbewusst untergebracht, aber den Kontext nicht gut genug erklärt. Fließendes Wasser auf dem Mars ist wahrscheinlich eine der bisher bedeutensten Newsmeldungen dieses Jahrhunderts.

Der Lampiongarten: Warum?

Adam Rosenberg: Aus vielen Gründen. Einer der wichtigsten ist: Wasser ist eine der unabdingbaren Grundvorraussetzungen für die Chemie des Lebens, wie wir es kennen und definieren. Wenn wir nachweisen können, dass auf einem anderen Planeten, ja sogar auf unserem unmittelbaren Nachbarn fließendes Wasser vorkommt, dann haben wir plötzlich nicht mehr nur einen, sondern zwei Planeten, die diese Vorraussetzung für die Entstehung von Leben theoretisch erfüllen. Das klingt erstmal, als wäre es kein großer Unterschied, ob es einen oder zwei unter geschätzen Milliarden Planeten allein in unserem Sonnensystem betrifft.

Der Lampiongarten: …aber?

Adam Rosenberg: Aber es ist eben doch ein extrem wichtiger Unterschied. Aus n=1 kann man nichts ableiten. Solange die Erde ein Einzelbeispiel für einen Planeten mit fließendem Wasser ist, können wir daraus wenig hochrechnen oder schließen. Bei zwei sieht das völlig anders aus, drei oder vier wären noch besser. Wir wissen jetzt: Die Erde ist in Bezug auf fließendes Wasser definitiv kein Einzelfall. Damit können wir vermuten, dass fließendes Wasser auf einer bestimmten Zahl erdähnlicher Planeten unter bestimmten Vorraussetzungen vorkommen kann.

Der Lampiongarten: Was die Wahrscheinlichkeit enorm erhöht, dass es auf einem dieser Planeten auch Leben gibt.

Adam Rosenberg: Es gibt allerdings auch schon Leben auf dem Mars.

Der Lampiongarten: Seit wann das?

Adam Rosenberg: Seit Curiosity irdisches Leben dort hingebracht hat. Das ist auch der Grund, warum wir das jetzt gefundene Wasser nicht direkt untersuchen können, obwohl der Mars Rover in direkter Nähe davon herumfährt.

Der Lampiongarten: Curiosity hat Leben auf den Mars gebracht?

Adam Rosenberg: Ja. Sehen Sie, nach den ersten Missionen gingen wir davon aus, dass Mars ein sehr lebensfeindlicher Ort ist, eine Wüste, in der definitiv nichts existiert. Deswegen haben wir die Sterilisations-Standards gesenkt. Wahrscheinlich ein Fehler, wie sich jetzt rausstellt. Als der Mars Rover 2011 startete, waren jedenfalls geschätzt 30.000 Mikro-Organismen von der Erde auf ihm. Das klingt vielleicht viel, ist aber äußerst wenig. Die Strahlung und die extremen Verhältnisse werden auch nicht viele überlebt haben. Aber einige von denen haben überlebt.

Der Lampiongarten: Und die vermehren sich jetzt fröhlich auf dem Mars?

Adam Rosenberg: Nein, das eher nicht. Das sind extremophile Bakterien, die in eine Art langen Winterschlaf gehen können, bis die Bedingungen richtig sind. Ganz genau wissen wir es aber nicht. Was wir wissen, ist, dass wir es nicht riskieren können, das entdeckte Wasser mit dem Rover zu untersuchen, um eventuell dort vorhandenes Leben nicht mit unseren irdischen Mikro-Organismen in Berührung zu bringen. Das könnte katastrophale Auswirkungen auf die dortigen Lebensformen haben, wenn vorhanden.

Der Lampiongarten: Mars ist also mit irdischen Bakterien kontaminiert.

Adam Rosenberg: So kann man das auch nicht sagen. Auf dem kleinen Finger Ihrer linken Hand leben deutlich mehr Organismen als Curiosity auf den Mars mitgebracht hat und die Hautoberfläche ist noch ein relativ dünn mit Bakterien besiedelter Ort am Menschen. Die Sterilisation von Curiosity war schon immer noch gut, aber eben nicht mehr so gut wie zuvor.

Der Lampiongarten: Aber heißt das, man geht jetzt doch wieder davon aus, dass Leben auf dem Mars vorkommt, wenn man eine Kontamination nicht riskieren will?

Adam Rosenberg: Wir müssen erstmal davon ausgehen, um keinen Fehler zu machen, den wir nicht mehr rückgängig machen können. Auch können wir nicht riskieren, die von uns dort hingebrachten Bakterien in aktiven Zustand zu versetzen, indem wir sie mit dem dortigen Wasser in Kontakt bringen. Das könnte eine fatale Kettenreaktion auslösen, auch wenn der Mars ansonsten kein Leben beheimatet. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir auf dem Mars Leben finden, würde ich trotz des Wassers aber eher als sehr klein einschätzen. Wichtig ist auch: Wir reden hier natürlich immer von Leben in unserem Sinne.

Der Lampiongarten: Auf dieses „in unserem Sinne“ will ich später noch mal zurückkommen. Aber vorher die Frage: Was ist denn eigentlich mit den Eismonden von Jupiter und Saturn? Ist nicht schon nachgewiesen, dass es dort Ozeane aus fließendem Wasser unter dem Eis gibt?

Adam Rosenberg: (lacht): Ja, die Eismonde. Sehen Sie, es ist so eine Sache, theoretisch zu vermuten oder sogar „strong evidence“ zu haben, dass unter der kilometerdicken Eisschicht eines Mondes in 1,2 Milliarden Kilometer Entfernung von der Erde Wasser existiert. Das wirklich zu bestätigen ist mit unserem jetzigen technischen Stand völlig unmöglich. Leider.

Der Lampiongarten: Ich habe kürzlich ein Konzept gesehen für ein U-Boot, dass dort abgesetzt wird, sich mittels Hitze durch das Eis schmilzt und dann dort Forschungen durchführt.

Adam Rosenberg: Konzepte dieser Art gibt es viele. Das wirklich zu machen, ist ein riesiger Aufwand, dessen Erfolgsaussichten außerdem sehr zweifelhaft sind, da es keinerlei Erfahrungswerte damit gibt. Wir haben ja schon auf der Erde massive Schwierigkeiten, die subglazialen Gewässer in der Antarktis zu erreichen und zu erforschen. Lake Vostok etwa liegt „nur“ 4 Kilometer unter dem Eis. Sie können sich vorstellen, dass das auf einem Saturnmond wie Enceladus unter einer 30 oder 40 kilometerdicken Eisschicht per ferngesteuertem Gerät noch „ein bisschen“ schwieriger ist. Aber ja, ich liebe auch die Vorstellung, dass es dort durch den Tiefendruck warme Ozeane voller unterschiedlichster Lebensformen tief unter dem Eis gibt. Die liebt wohl jeder Exobiologe.

Der Lampiongarten: Wenn Wasser also auf einem Planeten bestätigt ist und auf einigen Monden vermutet wird, können wir dann davon ausgehen, dass man in einigen Jahrzehnten vielleicht auch einfaches Leben außerhalb der Erde in unserem Sonnensystem finden wird?

Adam Rosenberg: Das ist so eine Frage, die man nicht seriös beantworten kann. Ich würde sagen: Nein, es ist immer noch sehr unwahrscheinlich. Das würde aber auch bedeuten, dass wir noch sehr lange auf die Entdeckung von außerirdischem Leben warten müssen, denn von interstellaren Reisen sind wir technisch extrem weit entfernt. Selbst mit Lichtgeschwindigkeit würden solche Reisen endlos dauern. Das ist einfach die große Tragik der Erforschung des Weltraums: Es sind riesige Massen an Sternen und Planeten da draußen, aber wir haben keine Möglichkeiten, dort hinzukommen. Auf einem Blog wurde das mal „Sternweh“ genannt. Was wir natürlich tun können, das ist Leben auf weiter entfernten Planeten indirekt nachzuweisen. Vielleicht ist es aber auch ganz gut so, wenn wir in unserem Sonnensystem kein Leben finden.

Der Lampiongarten: Warum das denn?

Adam Rosenberg: Sagt Ihnen die Great Filter-Theorie etwas?

Der Lampiongarten: Nein.

Adam Rosenberg: Die Great Filter-Theorie ist eine der Antworten auf das Fermi-Paradoxon, also auf die Frage, warum wir noch immer keine fortgeschrittene, andere Zivilisation gefunden haben, wenn das Universum doch so groß und alt ist und die Möglichkeiten für die Entstehung von Zivilisationen so endlos. Irgendwo müssten die Anderen ja sein. Es gibt viele gute Antworten auf das Fermi-Paradox, aber diese ist bestechend logisch. Nach der Great Filter-Theorie gibt es, vereinfacht gesagt, relativ oft Leben im Universum (was unsere Annahmen ja auch vermuten, im Kontext der riesigen Zahl von Planeten), aber nur auf sehr wenigen Planeten entwickeln sich niedrigere Lebensformen zu einer fortgeschrittenen Zivilisation. Die meisten sterben an irgendeinem Punkt in ihrer Entwicklung aus. Es gibt also eine Art Filter, der die meisten Zivilisationen aussortiert, bevor sie hochentwickelt werden.

Der Lampiongarten: Was heißt denn in dem Fall „hochentwickelt“?

Adam Rosenberg: Type II oder III-Zivilisationen nach der Kardashev-Skala, zum Beispiel. Auf dieser Skala ist die Menschheit Typ I oder nicht einmal ganz das. Die Great Filter-Theorie würde sagen: Nur die wenigsten Zivilisation erreichen Typ II, geschweige denn Typ III.

Der Lampiongarten: Und was hat das jetzt mit dem Mars zu tun?

Adam Rosenberg: Leben auf dem Mars wäre ein Indiz dafür, dass Leben im Universum oft vorkommt. Wenn sogar auf unserem Nachbarplaneten, also direkt nebenan, Leben entsteht, dann könnte es überall vorkommen. Das ist wieder das n=1-Problem. Aus Leben allein auf der Erde können Sie die „Rare Earth“-These ableiten, also „wir sind allein“ oder Sie können auch glauben „wenn es bei uns klappt, dann muss es doch überall klappen“, aber keine der beiden Optionen ist wirklich beweisbar. Wenn unser Nachbar auch Leben hat, dann spricht deutlich mehr dafür, dass Leben relativ oft existiert. Das würde aber auch heißen: Die meisten Zivilisationen sterben aus, denn sonst müssten wir schon mit mehreren Zivilisationen Kontakt gehabt haben. Das Universum ist ja sehr alt, viel älter als die Erde. Wenn es oft Leben im Universum gibt, dann hätten diese Zivilisationen schon endlos Zeit gehabt, technologisch fortgeschritten genug zu werden und uns zu finden.

Der Lampiongarten: Das heißt also: Nur bei schon sehr weit fortgeschrittenen Zivilisationen könnte man dann davon ausgehen, dass sie auch dauerhaft weiterexistieren. Den anderen würde etwas zustoßen? Und deswegen gibt es nur ganz wenige, die sich gegenseitig nicht finden?

Adam Rosenberg: Das sagt diese Theorie. Vielleicht sterben ja genau die aus, die es nicht irgendwann schaffen, ihren Heimatplaneten und ihr Sonnensystem zu verlassen. Und wissen Sie, welche Zivilisation ihren Planeten auch noch nicht verlassen hat?

Der Lampiongarten: Unsere.

Adam Rosenberg: Genau.

Der Lampiongarten: Das würde ja bedeuten, dass Leben auf dem Mars eine sehr schlechte Nachricht für die Menschheit wäre. Völlig absurd.

Adam Rosenberg: Ja, genau das. Setzen Sie die Kette zusammen, dann heißt das: Nach dieser Theorie würde Leben auf dem Mars oder sogar in unserem Sonnensystem bedeuten, dass die Menschheit wahrscheinlich irgendwann aussterben wird. Je mehr Leben wir finden, desto schlechter steht es um uns. Das ist sehr bitter, aber sehr logisch.

Der Lampiongarten: Also wäre es Beste, wenn wir gar kein Leben in unserem Sonnensystem oder in direkter Nähe finden?

Adam Rosenberg: Sehen Sie, das ist wieder so ein Dilemma. Natürlich wollen wir Leben finden und wir haben ja schlussendlich auch keinen Einfluss darauf, was ist. Die Great Filter-Theorie ist schlussendlich auch nur eine Hypothese von vielen, auch wenn ihre Logik so überzeugend ist. Das Universum könnte auch voll mit Leben sein und es gibt eine andere, viel abwegigere Erklärung dafür, dass wir die anderen Zivilisationen nicht aufspüren können.

Der Lampiongarten: Vielleicht, weil wir, wie Sie schon angedeutet haben, nur nach Leben „in unserem Sinne“ suchen?

Adam Rosenberg: Ja, das könnte auch eine Erklärung sein. Diese Erklärungen gehen sehr in Richtung Science Fiction, aber wir suchen natürlich sehr dogmatisch nach Leben. Wir suchen nur nach Leben, wie wir es kennen: Es soll kohlenstoffbasiert sein, es soll Wasser brauchen, es soll sich evolutionär weiterentwickeln und so weiter. Das sind allerdings alles Annahmen, die wir nur aus dem Leben auf der Erde abgeleitet haben. Es könnte auch sein, dass Leben auf anderen Planeten ganz anderen Regeln folgt. Es muss nicht mal kohlenstoffbasiert sein. So absurd es klingt, es wäre sogar möglich, dass wir hier auf der Erde noch eine zweite oder dritte Biosphäre haben, die wir schlichtweg nicht sehen oder entdecken können oder dass Leben direkt im All existiert, nicht nur auf den Planeten. Stellen Sie sich als Vergleich eine Ameisenzivilisation im Wald vor. Auch die ist nicht in der Lage, die Menschheit wahrzunehmen, obwohl wir eindeutig auf demselben Planeten leben und beide auf unsere Art intelligent sind. Auch gibt es Leute, die glauben, dass sich jede weit fortgeschrittene biologische Zivilisation irgendwann zu einer maschinellen Zivilisation fortentwickelt.

Der Lampiongarten: Nochmal einen Schritt zurück: Mal angenommen, wir finden irgendeine Form von Leben in unserem Sonnensystem und wir kommen dann zu dem Schluss: Das sind schlechte Nachrichten für die Menschheit. Was könnten wir denn eigentlich tun, um ein langfristiges Aussterben unserer Zivilisation zu verhindern?

Adam Rosenberg: Das Problem mit dem Aussterben hat ja nicht nur mit dem Fund von Leben anderswo zu tun. Wir wissen, dass Naturkatastrophen wie Einschläge von Kometen sehr regelmäßig passieren. Die Erde alleine, nicht mal unser Sonnensystem, ist auf ganz lange Sicht sicher. Kurz gesagt: Wir müssen so oder so irgendwann eine interstellare Zivilisation werden.

Der Lampiongarten: Das ist aber doch mit unserer Technik völlig unrealisierbar.

Adam Rosenberg: Ja. Aber man kann und muss ja klein anfangen. Als ersten Schritt müssten wir den Beweis erbringen, dass Menschen überhaupt auf anderen Planeten ansiedelbar sind. Also zunächst mal interplanetar werden.

Der Lampiongarten: Menschen auf dem Mars ansiedeln?

Adam Rosenberg: Der Mars ist ein Idealkandidat. Er ist in menschlichen Maßstäben zwar endlos weit weg, in kosmischen aber direkt vor der Haustür und erfüllt die meisten Voraussetzung.

Der Lampiongarten: Welche denn?

Adam Rosenberg: Es ist ein terrestrischer Planet, also kein Gasplanet. Er hatte wohl vor langer Zeit mal größere Mengen Wasser, vielleicht sogar eine Atmosphäre und er ist nicht superextrem kalt oder warm. Der Mars war der Erde möglicherweise einmal recht ähnlich. Mit Terraforming könnte man irgendwann, in ebenfalls langer Zeit, vielleicht dort wieder ankommen.

Der Lampiongarten: Ok, wir besiedeln den Mars. Wie gehen wir vor?

Adam Rosenberg: Wir bräuchten zuallererst mal eine signifikante Anzahl Siedler. Die müssten Pflanzen pflanzen, herausfinden, wie und ob wir dort Wasser aus dem Boden gewinnen können und ob Menschen das Leben dort in entsprechenden Mars-Basen überhaupt ertragen würden.

Der Lampiongarten: Das will ja auch Mars One machen. Und wird dafür als Selbstmordprojekt beschimpft.

Adam Rosenberg: Nicht ganz. Was Mars One machen wollte, und ich sage bewusst „wollte“, weil ich es für völlig utopisch halte, war, schon in wenigen Jahren eine handvoll Leute in Rahmen einer Art Fernsehshow zum Mars schicken. So besiedeln wir den Mars eher nicht.

Der Lampiongarten: Aber auch in Ihrer Version mit vielen Menschen gäbe es keine Rückkehrmöglichkeit für die Siedler, oder?

Adam: Das war bei Mars One natürlich das, was die Presse immer wieder betonte, weil es so schön dramatisch klingt. Die Reise ohne Wiederkehr. Natürlich gibt es heute auch technisch die Möglichkeit, die Leute vom Mars wieder zurück zur Erde zu bringen. Es wäre nur sehr teuer. Nun denken Sie aber mal zwanzig oder vierzig Jahre in die Zukunft, dann ist die Technik schon wieder viel weiter. Will sagen: Wahrscheinlich könnten Sie irgendwann schon zurück, wenn Sie an so einer Mission teilnehmen. Sie müssten vielleicht gar nicht auf dem Mars sterben. Also zumindest dann nicht, wenn die permanente Strahlung für Menschen überhaupt aushaltbar ist, das ist die größte Gefahr.

Der Lampiongarten: Also nehmen wir an, wir siedeln im Laufe der nächsten hundert Jahre zehn- oder hunderttausend Leute auf dem Mars an. Was dann?

Adam Rosenberg: Wenn das dauerhaft funktioniert, dann hat sich die Menschheit zu einer interplantaren Spezies weiterentwickelt. Und dann kriegen wir den Mars über Treibhauseffekte und andere Maßnahmen vielleicht irgendwann dazu, dass er ganz langfristig eine Art von zweiter Erde wird, auf der wir einfach rumspazieren können.

Der Lampiongarten: Aber welchen Nutzen hätte das denn?

Adam Rosenberg: Es hätte riesigen Nutzen auf vielen Ebenen. Zuerst mal hätten wir bewiesen, dass es geht, auf anderen Planeten zu leben. Dann wäre die Menschheit, und das ist zentral, zunächst mal vor dem Aussterben bewahrt. Wenn der Erde irgendetwas zustoßen sollte, etwa ein Kometeneinschlag, der das Klima massiv verändert oder andere Naturkatastrophen, dann gäbe es immer noch den zweiten Planeten. Und wir würden natürlich wahnsinnig viele Erfahrungen machen, die wir anderswo wiederverwenden können.

Der Lampiongarten: Sie schlagen vor, dass wir danach weitere Planeten besiedeln.

Adam Rosenberg: Natürlich. Die Venus wäre wahrscheinlich der nächste Kandidat. Da haben Sie natürlich ganz andere Probleme als auf dem Mars, dort sind alle Bedingungen, angefangen bei der Hitze, viel extremer. Danach bleiben uns nicht mehr viele Kandidaten für die Ansiedlung von Menschen in unserem Sonnensystem, es sei denn, das Terraforming und unsere sonstige Technik für diesen Zweck entwickelt sich extrem weiter, so dass wir auch Planeten oder Monde außerhalb unserer habitablen Zone bewohnbar machen können.

Der Lampiongarten: Und dann wäre die Menschheit sicher vor dem Aussterben?

Adam Rosenberg: Leider immer noch nicht. Sie dürfen nicht vergessen, dass Sterne nur eine begrenzte Lebenszeit haben. Irgendwann wird unsere Sonne zu einem roten Riesen und dann verglühen, wenn Sie es so formulieren wollen. Spätestens dann müssen wir einen Weg gefunden haben, Planeten in anderen Sonnensystemen zu besiedeln oder gar in Schiffen im offenen Weltraum zu überleben, sonst ist an der Stelle wohl das Ende der Menschheit erreicht. Dass wir die Roter Riese-Phase der Sonne überleben und anschließend die Energie, die wir früher durch die Sonne gewonnen haben, durch etwas anderes ersetzen können, das ist ein Punkt, den man sich auch mit der fortgeschrittensten Technik nicht so richtig vorstellen kann.

Der Lampiongarten: Das klingt alles ganz schön düster und vor allem unmachbar. Wenn man das so hört, könnte man fast wieder an die Great Filter-Theorie glauben, also dass nicht viele Zivilisationen langfristig überleben.

Adam Rosenberg: Naja, ganz so schwarz sieht es auch nicht aus. Die Sonne wird noch 6 Milliarden, also 6000 Millionen Jahre brennen. Den Menschen gibt es seit 2 Millionen Jahren. Wenn Sie sich angucken, was wir in der Zeit alles erfunden und erreicht haben, eigentlich erst in den letzten paar tausend Jahren und das dann in die Zukunft hochrechnen, wirkt es plötzlich gar nicht mehr so unwahrscheinlich, dass wir irgendwann interstellare Reisen schaffen werden. Also sofern das physikalisch möglich ist, natürlich. Alternativ kann man sich natürlich viele andere Ideen zusammenspinnen. Zum Beispiel, die Erde selbst mit gezielten Kometeneinschlägen auf andere Umlaufbahnen zu lenken, aber da bewege ich mich wieder in Richtung Science Fiction.

Der Lampiongarten: Und wann könnte diese Expansion unserer Zivilisation frühestens stattfinden?

Adam Rosenberg: Auf dem Mars? Relativ bald. Der Rest steht, wenn ich das mal so sagen darf, in den Sternen.

Der Lampiongarten: Herr Rosenberg, vielen Dank für das Finterview.

3 Gedanken zu „Finterview: Mars und Leben im All“

  1. Sehr spannende Thesen, die da ausgebreitet werden. Hochinteressant. Bloß, die wie sich Teile der Menscheit, Stämme, Gruppierungen bzw., Regierungen derzeit aufführen, sehe ich schwarz, was die Ein- oder Umsetzung von Rosenbergs Thesen betrifft.

      1. Da habe ich so meine Zwifel. Siehe die irdischen Problem und die Nicht-Lösungen selbiger. Seien es Umwelt, Klima, aber auch die zahlreichen Genozide an Mensch und Tier auf der ganzen Welt. Überall brennt es mittlerweile ganz gewaltig. „Lös(ch)ungen“ sind nirgends in Sicht.

Ach komm, erzähl mir nix (oder doch)

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