Zwei gute Gründe dafür, dass Bob Dylan keinen Literaturnobelpreis verdient hat

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1. Weil die Texte nicht preiswürdig sind

Es gibt ein ganz einfaches Gedankenexperiment, um zu zeigen, ob Bob Dylan den Nobelpreis verdient hat: Wir denken uns einfach die Musik weg, denn der Preis wird für Texte vergeben. Nehmen wir sein laut Rate Your Music (und meiner Meinung nach auch, knapp von „Blonde On Blonde“) bestes Album „Highway 61 Revisited“ und lesen dort einfach mal rein, ohne die Musik, dann fällt einem, wie bei fast jedem seiner anderen Alben auch, sofort auf: Ja, der Mann kann schreiben, die Texte sind gut. Sie sind sogar außergewöhnlich gut für Songtexte.

Aber sind sie so gut wie die Texte eines Lyrikers? Eines Romanciers? Zwei gute Gründe dafür, dass Bob Dylan keinen Literaturnobelpreis verdient hat weiterlesen

Der Holocaust-Leugner in meiner Freundesliste

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Als eine gute Bekannte von mir vor eineinhalb Jahren durch falsche Bekanntschaften an ihrer Uni für einige Monate zur AfD-Anhängerin wurde, habe ich sie nicht aus der Liste meiner Facebook-Freunde gelöscht.

Ich habe mehr oder minder geduldig (in jedem Fall aber beständig) gegen den Unsinn argumentiert, den sie zu dem Zeitpunkt in zunehmendem Maße veröffentlichte und gehofft, dass sie mit der Hilfe ihrer durchaus vorhandenen Intelligenz irgendwann einsehen würde, dass sie gerade in eine Art Sekte gerät, die ihre Weltsicht immer weiter verengt. Ich habe gehofft, dass sie irgendwann merkt, dass nur noch ihre neuen Freunde ihre Meinungen „liken“ und ihre alten Freunde zunehmend von ihr irritiert sind und sich abwenden. Ich habe gehofft, dass sie diese Erkenntnis haben würde und dass ihr das klarmachen würde, wie radikal sie sich gerade verändert. Und das ist irgendwann tatsächlich geschehen. Sie hat inzwischen nichts mehr mit der AfD zu tun und heute können wir gemeinsam darüber lachen, dass sie diesen Leuten auf den Leim gegangen ist. Der normale Facebook-Wahnsinn. Der Holocaust-Leugner in meiner Freundesliste weiterlesen

Der Shitstorm als Mittel der politischen Kommunikation

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Erika Steinbach hat aus ihrer Perspektive alles richtig gemacht: Ihre Botschaft verbreitet sich in Windeseile im Netz. Zum Tode von Helmut Schmidt kramte die Berufspolitikerin und -Provokateurin ein uraltes Zitat Schmidts über „Ausländer“ heraus und twitterte es zusammen mit einem Photo des verstorbenen Altbundeskanzlers. In schwindelerregender Geschwindigkeit sprangen Politiker, Journalisten, sogenannte Influencer (i.e. Menschen mit vielen Followern auf Twitter), abertausende Durchschnittsnutzer, aber auch Fernsehfiguren und Prominente wie Jan Böhmermann über das Stöckchen und verbreiteten unfreiwillig die Botschaft von Erika Steinbach („Wir können nicht mehr Ausländer verdauen“), indem sie sie verlinkten und sich darüber empörten. Der Shitstorm als Mittel der politischen Kommunikation weiterlesen

Finterview: Mars und Leben im All

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Adam Rosenberg ist Philosoph und Exobiologe, der sich auf die theoretische Erforschung von Leben auf anderen Planeten spezialisiert hat. Sein aktuelles Buch „Ad Astra“ beschreibt, wie die Menschheit in ferner Zukunft ins All aufbrechen muss, um zu überleben. Adam Rosenberg lebt und forscht in Washington D.C.

Der Lampiongarten: Die Nasa hat fließendes Wasser auf dem Mars entdeckt. Warum ist wichtig?

Adam Rosenberg: Nicht nur entdeckt, sondern eindeutig nachgewiesen. Der Unterschied ist relevant. Die Vermutung, dass es fließendes Wasser auf dem Mars gibt, hatten wir ja schon seit längerer Zeit. Und: „wichtig“ ist untertrieben. Die Presse hat die Nachricht zwar irgendwie pflichtbewusst untergebracht, aber den Kontext nicht gut genug erklärt. Fließendes Wasser auf dem Mars ist wahrscheinlich eine der bisher bedeutensten Newsmeldungen dieses Jahrhunderts. Finterview: Mars und Leben im All weiterlesen

Sollte man „besorgte Bürger“ konsequent als Nazis bezeichnen?

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Nachdem ich zum Thema „Hass im Netz“ oder „Umgang mit besorgten Bürgern“ in den letzten Wochen geschätze 2 Millionen Artikel gelesen habe, die verschiedenste Positionen vertraten und die allesamt eher emotional geprägt waren, ist dieser Artikel ein Versuch, den Thematik etwas strukturierter zu betrachten. Vor allem die Frage, ob man die „besorgten Bürger“ pauschal als „Nazis“ bezeichnen sollte / kann oder ob man doch den Dialog mit ihnen suchen sollte, stellt sich immer wieder. Ich möchte einmal experimentell durchspielen, welchen Effekt Ersteres hat, um zu klären, ob dieses Vorgehen sinnvoll ist.
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Fünf gute Gründe dafür, dass Sie als Journalist auf Shitstorm-Berichterstattung umsteigen sollten

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1. Alles andere generiert nicht genug Klicks

Glauben Sie mir, ich weiß, wovon ich rede. Ich schreibe seit fast zehn Jahren nebenher für verschiedene Online-Magazine und hatte mehrere eigene Blogs. Wann immer ich Meinungs-Artikel über aktuelle Shitstorms und Empörungswellen im Netz geschrieben habe, brach die Hölle los. Fünf gute Gründe dafür, dass Sie als Journalist auf Shitstorm-Berichterstattung umsteigen sollten weiterlesen

Warum ich die Bild-Zeitung komplett ignoriere (und Du das auch tun solltest)

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Kai freut sich: Über seine Zeitung und ihre neue Kampagne diskutiert wieder mal das ganze Netz. Wie eigentlich mit jeder größeren Aktion seiner Zeitung hat er es in die Köpfe aller Facebook- und Twitternutzer geschafft. Auch ich habe davon erfahren, mehrfach fand das Thema durch verschiedene Kontakte und Freunde seinen Weg zu mir. Darüber spricht Deutschland. Warum ich die Bild-Zeitung komplett ignoriere (und Du das auch tun solltest) weiterlesen